 mir nicht mehr sinkt.
Schon sind die meisten der holden entflohn;
Ach! wenn die Kränze die Harfe verlassen,
Dann will ich sterben; die Wangen erblassen,
Stumm ist die Lippe, verhallt der Ton.
Aber Wonn, es entsprosset zum Leben
Meiner Asche, so hell und schön,
Eine Blume. - Mit freudigem Beben
Seh ich Tilie so freundlich stehen.
Und vor dem Bilde verschwindet mein Leid.
Herrlicher wird aus der Gruft sie ergehen -
Schöner und lieblicher seh ich sie stehen,
Wie meinen Feinden sie mild verzeiht.
Der Gram, unzulänglicher Trost und Täuschungen in seinen Erwartungen von der
Wirklichkeit und ihrer Zeit haben den Kampf und die Niederlage seiner Seele in
seine Gesichtszüge hingezeichnet. Er hat sich mit all seinen Kräften des
Selbstglücks und der Beglückung zur Aschenurne seiner Freuden erschaffen
gesehen, und die Inschrift auf dem Male, das auf seinen Trümmern steht, liest
man in seinem irren Blick, dessen Sprache durch den Jammer, wie die Sprache der
Gräber durch den Zahn der Zeit, verwittert ist. Sein Verlust muss unendlich sein,
denn er sucht noch immer über der Erde mit seinen Augen hin, als habe er noch
Kraft, diesseits eine Blume zu pflücken. Ach Römer! wie werde ich verglühen, da
ich die Flamme noch nicht kenne, die mich durchlodert; o! es ist mehr als
Lebenswärme, was mich ergreift, wenn ich begehre, was mir fehlt. Ich sehe die
Natur um mich her ewig und unermesslich, und wenn ich sie ganz verschlinge, wie
sehr ich es kann, so bleibt es doch öde in meiner Brust, und mein Herz pocht so
eintönig, so allein in meinem Busen. Alles ist Harmonie und Melodie, und
verschwistert sieht sich alles in den Armen eines andern zum zweitenmal gelebt,
zum zweitenmal beseelt; kein Spiegel meinem Bilde, kein Echo dem lauten
verlassenen Rufe aus meinem Herzen, kein Strahl aus der Seele eines Geschöpfs, der
nur mir gehöre, kein Sinn für mich durch das Gepräge der Einzigkeit nur für mich
belebt. Die Natur hat mich nicht gestimmt, dass jeder Künstler meine Töne mit dem
großen allgemeinen Klang in Akkorde vereinigen kann. Freilich sprach ich anders
in meinem vorigen Briefe, da war mir das Leben noch leicht, - jetzt ist es
anders. Nur einer wird mehr als leichtfertige, tanzende Töne aus mir in das
große Meer von Gesang hinüberweben.
    Sonderbar ist es, lieber Römer, wenn ich alles dieses fühle, dass es mich
ganz vernichtet, zu sehen, dass ich nur mich beglücken, nur mich befriedigen
will, dass dieser Drang nach Liebe ein Bedürfnis ist, dass auch mit dem
Bedürfnisse Liebe und Freundschaft schwindet und wächst. Ist der Wunsch, seiner
Liebe alles aufzuopfern, nur zur
