 sah, als ich den Greis Broglio, als ich den
silberlockigen Kondé, den Hut in der Hand, mit zur Erde gesenktem Kopfe auf
Zeitungen warten sah. Ähnliche Ruhe wird mich ergreifen, wenn ich über die Berge
von kalter fester Lava um den Vesuv herum wallen werde. - Er ruht und träumt
nach dem Rausche, den wir uns zu trinken noch beschäftigt sind, und bang sehe
ich nach seiner Ruhe und belausche seine lauteren Träume und passe sie meinem
Rausche an. Spärlich spielen einige Silberlocken um seine Schläfe, wie ein paar
freundliche Augenblicke seines Lebens um sein Gedenken, seine schwarzen Augen
haben eine schauerliche Mischung von Liebe, Verleugnung und Stärke im Blick,
sein Mund ist selten in einen freundlichen Ernst, oft in ein wehmütiges Lächeln
gezogen. Wenn er steht oder sitzt, so vermisst man etwas in seiner Lage, und weiß
nicht was fehlt, bis er die Harfe an seine Brust und seine Stirn an die Harfe
lehnt. An diese Stellung scheint er so gewohnt zu sein, dass, wenn er die Harfe
nicht im Arme hat, man ihn sonderbar findet. Mit der Harfe aber ist er mir ganz
das Sinnbild der wechselseitigen Freundschaft und des Zutrauens. Er lehnt seine
Stirn an sie, wie auf den Arm eines tröstenden Freundes, und klagt ihr seine
Leiden. Sie ruht wie die Teilnahme und das Mitleid an seinem Herzen, und scheint
unter seinen leisen Griffen freiwillig ihm zuzuhören, und dann und wann in
traulichen Worten ihm Trost zuzuflüstern. Er hängt schwärmerisch an ihr, wie die
verwelkten Blumenkränze um ihre Saiten, und wenn durch eine rasche Erbebung des
Instruments ein Blättchen von den Kränzen herabfällt, so schweigt er, und letzt,
da ich ihn belauschte, rollte eine Träne über seine bleichen Wangen, und er
sagte: »Wenn alle diese welken Blumen herabgefallen sind, so will ich nicht mehr
weinen und nicht mehr singen, so will ich sterben.« Dann sang er:
Um die Harfe sind Kränze geschlungen,
Schwebte Lieb in der Saiten Klang:
Oft wohl hab ich mir einsam gesungen,
Und wenn einsam und still ich sang,
Rauschten die Saiten im tönenden Spiel,
Bis aus dem Kranze, vom Klange durchschüttert,
Und von der Klage der Liebe durchzittert,
Sinkend die Blume herniederfiel.
Weinend sah ich zur Erde dann nieder,
Liegt die Blüte so still und tot;
Seh die Kränz an der Harfe nun wieder, -
Auch verschwunden des Lebens Not,
Winken mir traurig wie schattiges Grab,
Wehen so kalt in den tönenden Saiten,
Wehen so bang und so traurig: es gleiten
Brennende Tränen die Wang herab.
Nie ertönt meine Stimme nun wieder,
Wenn nicht freundlich die Blüte winkt;
Ewig sterben und schweigen die Lieder,
Wenn die Blume
