 wird tiefe Wehmut, und wenn
ich hinaufsehe zu der schönen Griechin und der rührenden Trauer in ihren stillen
Mienen, dann ergreift mich das Gefühl von Vernichtung, mit dem mich die Musik zu
erfüllen pflegt, und ich muss hinaus und habe alles vergessen, nur meinen ewigen
Schmerz nicht. -«
    »- Großer Gott, wie mich das gefasst, zerstört hat! Sie ist wieder in
Deutschland, sie ist hier. Ich werde sie vielleicht heute noch sehen. Denke dir:
ruhig sitz' ich zu Tische, da erzählt ein Fremder, wie unterhaltend es heut in
der Gallerie war; eine große schöne Frau ging, die Gemälde zu betrachten, und
wie sie ging, sahen alle Maler von ihrer Arbeit und ihr nach. Alle, so schien
es, vergaßen ihre Ideale über den Anblick - Und wer war die Zauberin? - Ach, da
nennt er sie, und von dem Augenblicke weiß ich nicht, wo ich bin und wie mir
geschieht. Diese Menschen vergessen über ihre Erscheinung ihre Ideale, und ich,
der die ganze Gottheit dieses Weibes kennt und fühlt - ich soll sie vergessen,
über dem, was ihr Ideal der Kunst nennt! -«
    »Ich habe dir lange nicht geschrieben, ich werde dir auch wohl nicht viel
mehr schreiben. Ich fühle mich sehr schwach. In dieser romantischen Gegend bin
ich sehr gern, diese Verwirrung zerbrochner Felsstücke, einsame Wasserfälle,
überall Trümmern und Zerstörung, tut mir sehr wohl. Doch werde ich diese Täler
bald verlassen und wieder nach D. gehen. Ich muss in die Welt, in diesen Einöden
bin ich nicht einsam genug, und einsam muss ich doch sein, wenn ich ihr mein Wort
halten und leben und dichten will - darum will ich zurück zu den Menschen.«
    Gegen den Herbst verließ er D. und ging an den Rhein. Von hier schrieb er
selten; aber seine ganze Stimmung drückt sich in folgenden Worten eines Briefes
ganz aus, die ich nie vergessen werde: »Vorige Nacht saß ich oben bei dem
Schloss der Gisella und sah unter mir den Rhein und in den dunkeln Fluten den
Mond und die Gestirne abgespiegelt und von den schäumenden Wellen gegen die
Felsen geworfen, als würden sie zertrümmert. Sieh, so steht die Tugend und die
Schönheit ewig unverrückt und nur ihr Abglanz wird von unserm dunkeln tosenden
Leben bewegt« -
    Dann lebte er auf einem Landhause v.S. Die romantische Gegend und die
einsamen Verhältnisse dieses Aufenthalts hat mein Freund im zweiten Teile des
Godwi selbst beschrieben. Den guten Geist dieser Wohnungen, der auch Maria
tröstete, in dessen Armen er gern starb, an dessen Brust er wieder zu erwachen
wünscht, dich, mein S., hat er nicht beschrieben.
