, träumen dieses Leben, und ihre Liebe ist
eine solche Liebe des Traumes, - sie ist ohne Bestimmung, mit unendlichem Reize,
ohne Ziel, wo sich alle diese Mittel zu einer Schöpfung vereinigten.
    Wer sich ihnen hingibt mit seiner Liebe, muss mit diesen Blumen verwelken -
lieben darf man sie als Frühling und Poesie, aber nie als einzelne Blumen.
    Nur das starke gesunde Gemüt wagt nichts mit ihnen, es blickt auf sie
nieder, wie auf die Blumen, die es seiner Geliebten bricht, die es in den
Triumph seines Lorbeers flicht, damit der Ernst auch lächle, und schützt sie
sogar wie zarte Kinder, wie lieblose Unschuld, und nimmt sie wie ein reines Bild
der bloßen Schönheit.
    Wendet er aber seine Liebe zu diesen hin, die sich nach seiner Liebe wenden
müssten, so ist es, als wende sich die Sonne nach der Blume, und die Blume nicht
nach ihr. -
    Ihr Leben ist eine bloße Allegorie, ihre Liebe nur leiser Erguss, nicht der
Schöpfung, nur des Todes. -
    Mir, lieber Godwi, sollte ich sterben, sollen Sie einen einfachen Stein
setzen, und darauf die letzte Terzine dieses schlechten Sonetts.« -
                                     Sonett
O schwerer heißer Tag, ihr leichtes Leben
Schliesst müde weinend seine Augenlider,
Schon senkt der Schlaf das tauende Gefieder,
Um solche Schönheit kühl ein Dach zu weben. -
Von ihren Lippen leise Worte schweben,
»Du Liebe süßer Träume, kehre wieder!«
Da lässt sich ihr der Traum der Liebe nieder,
Um ihres Schlummers kranke Lust zu heben. -
»Du Traum!« - »Ich bin kein Traum,« spricht er mit Bangen,
»O lass uns nicht so holdes Glück versäumen!«
Da weckt er sie, und wollte sie umfangen. -
Sprecht! Wessen bin ich? Wer hat mich besessen?
Ich lebte nie - war eines Weibes Träumen -
Und nimmer starb ich. - Sie hat mein vergessen.
 
                           Fünfunddreissigstes Kapitel
Als ich erwachte, blickte ich durch die Stube hin. Nach der Gräfin zu sehen,
hatte ich den Mut nicht. Es war eine ganz eigne Empfindung, wie ich mich mit
allem verwandt fühlte, mit den alten Schränken und dem Gipsbilde, den Sesseln
und mit dem kleinen Sopha im Erker.
    Meine Augen liefen an den sauren Gesichtern der Ritterbilder und den süsslich
ernsten der neueren Ahnherrn auf und ab, wie auf meinen Verwandten; ich ergötzte
mich ebenso an den Damen, und wunderte mich, wie freundlich ihre Schnürbrüste
aus einem Gesichtspunkte waren; ich nahm sie nämlich als cornu copiae und freute
mich der schönen Früchte, die aus ihnen hervordrangen, und hier und da zierlich
mit Blumen zusammengestellt waren.
    Es war mir, als hätte ich von
