 meinen Vater schreibt, der ihn wieder gefunden
hatte; es ist derselbe, von dem Römer Seite 50 schreibt, dass er seine Stelle
ersetze und mit meinem Vater viel allein sei. Ehe er sich in die
Handlungsgeschäfte einließ, an denen er seinen Geist wieder systematisieren
wollte, hat er hier auf dem Gute diese Bilder gemalt. Es war damals eine
begeisterte Melancholie in seiner Seele, in der sich seine Verrückteit gelöst
hatte. Doch wir werden mehr von ihm hören.
    Alle seine Bilder haben einen eignen Charakter, und zwar den, dass sie
eigentlich nicht sind, sondern ewig werden, und dies entsteht durch eine Manier,
in dem er das Licht der Pflanzen, des Himmels und des Fleisches in verschiedene
Haltungen setzt, obschon nur eine Beleuchtung stattfindet. In Bildern dieser Art
macht dieses oft einen glücklichen Effekt.«
    »Ja,« fuhr ich fort, »es ist auffallend, denn eben hierdurch entsteht diese
Bewegung, ich möchte sagen, dieses leise Wogen der Farben über das Ganze, das
Auge wird vor seinen Bildern ein feines Gehör, das die Schwingungen der
einzelnen Töne durch den vollen Akkord hört, und ich möchte seine Malerei
rhytmisch und deklamatorisch nennen: es ist, als wallen die Wellen sanfter
Jamben durch das Gemälde.
    Es ist wunderbar dargestellt und gemalt, was ich für unmöglich hielt, ein
Bild, das nicht historisch ist, keinen Moment erfüllt, sondern die fortdauernde
stille Bewegung eines dichten Gemütes vorstellt. Ich sehe, dass das Mädchen
spricht, obschon ihre Lippen nur leise geöffnet sind; ich sehe, dass sie sich den
Blumen vergleicht, und die Blumen sich, denn nur auf ihren Lippen, in ihren
Augen wird sie Jungfrau; ihr schlanker Leib hebt sich in leidendem Streben wie
eine Pflanze, ihre Arme gleichen zarten Zweigen, ihre Brüste drängenden
sehnenden Knospen, welche gelinde vorstreben, und um die sich die samtenen
Blätter lebendiger regen. Über diesem Throne des milden Herrschens wallt ihr
Antlitz wie Duft; auf den Lippen wird alles ein stiller Erguss; die Augen sind
reflektierendes holdseliges Sinnen, und das Haupt ergießt sich mit den Locken in
das flammende Element des Himmels. Alles, was sie empfindet, steht in dem
Lichtgrade, in dem ihre Empfindung selbst steht und es beleuchtet.
    Aber ich werde nimmer fertig, das Bild wächst unter meinen Augen, und hänge
ich an den Formen des Mädchens, und suche sie zu enträtseln, so rufen mich die
Blumen, als sollte ich sie hinaufheben, an ihr keusches begehrendes Herz; gehe
ich nieder, um die stummen Kinder zu brechen, so werde ich zur Biene, und
schwebe über ihren Kelchen, deren Süßigkeit sie selbst nie leeren, dann zieht
mich wieder der feurige Himmel hinauf, und meine Empfindung verliert
