 nun aufwärts durch den
Schacht, und alle die Gestalten sieht er wie zwei Säulen emporsteigen, zwei
herrliche Bäume, auf deren einem holde Mädchen wie Blüten und Früchte
auseinander dringen, und auf dem andern Jünglinge; und wie die beiden
tausendarmichten Leben ineinander rauschen, verschwinden ihm die Blicke, er
fühlt um sich ein wunderbares Weben, das höher ist als alle die Gestalten, die
nun ein einziger Baum vor ihm zu werden scheinen, und er fühlt, wie sich des
Baumes Wurzeln unter ihm regen, und umarmt bange den lebendigen Stamm, damit ihr
geheimnisvolles Treiben ihn nicht verschlinge, und blickt er aufwärts, so betet
er, und blickt er nieder, so schwindet er in dem Gewirre der Wurzeln, die wie
lichte Schlangen um ihn wühlen, und schafft, und wo er schuf, dringen goldne
Blitze aufwärts, klingend schießen sie in die Höhe, und leuchten an dem
herrlichen Stamme bis zu dem Gipfel empor, der in der Glut sich wieder in die
beiden ersten Leben löst. Da fühlt er sich nicht mehr, die leuchtenden Schlangen
der Wurzeln umschlingen ihn, und eine freundlicher und dringender schmiegt sich
um seine Brust, flösst aus dem wollüstig gewundnen Leben, das sie in tausend
Lüsten um ihn windet, den süßen Tod verwandelnd ihm in die Lippen - da sah ich
ihn nicht mehr, hinab blickte ich in den Kelch der Blume, wo er im stillen Tode
lag, und der Auferstehung harrte, welche goldne Bienen singen werden.«
    So sprach sie, und fuhr fort:
    »Sieh, Annonciata, und als ich weiter blickte, so war ich immer weniger,
denn an jedem Kelche musste ich ein Kind meiner Seele zurücklassen als ein Opfer
des Todes. Als ich bei einer Blume niederblickte dem traurigsten Gedanken nach,
denn er hatte alle andere überlebt, so war mir, als sähe ich mich selbst im
Kelch der Blume liegen, eine andere Blume blickte nieder in mein zartes Grab, in
das sie kühle Tränen träufelte, und ich empfand Erinnerung über den Rand der
Blume hinüber wie Ahndung in mir weben.«
    Da Wallpurgis so gesprochen hatte, war sie sehr schwach, und ich trug sie in
meinen Armen nach ihrer Stube. Ich konnte nicht begreifen, dass sie bald nun
nicht mehr sein würde, jetzt noch in meinen Armen warm liebend und denkend, und
bald alles das vorüber, - schon die leuchtende Schlange der Wurzel sich um sie
schlingend, ihre blassen zarten Lippen schon offen dem süßen verwandelnden Tode.
    Da ich in der Stube war, legte ich sie nieder, und fühlte mich zu ihren
Lippen gezogen, ich wollte sie küssen, aber sie erschrack heftig dabei und
drängte mich mit den Worten zurück:
    »O lebe! lebe! dass die
