
Empfindung.
    Godwi sagte: »Ich bin von Jugend auf an diese Gegend gewöhnt, dennoch habe
ich die nämliche Empfindung, so oft ich vom Jägerhause komme. Einsam und öde
wird überhaupt alles, was der Mensch berührt, ohne es zu vollenden, nur der
Mensch kann töten. Dieses ganze Tal nun ist das Bild einer Anstalt, die ins
Stecken kam, alles verlangt nach einem Ende, und man könnte sagen, es gleiche
einer interessanten Erzählung, die mitten durch ein Fragezeichen unterbrochen
ist.
    Es liegt etwas Derbes und Selbstständiges in der wilden Natur, sie ist
voller Leben, und scheint sich den Teufel um den Menschen zu bekümmern; sie geht
ihren Weg, ohne sich viel umzusehen, und treibt ihr Geschäft für sich und mit
Kraft. Hierdurch rührt sie uns, und das Gefühl der Einsamkeit in ihr begründet
sich auf die Schwäche des Menschen; man wünscht einen Freund neben sich zur
Unterstützung gegen die Wildnis, die einem so frech in die Bildung hereintritt,
das Echo der Felsen gibt uns kalt und spöttisch die Ausrufungen zurück, in
denen man umsonst versuchte, dieser Natur etwas abzuschmeicheln; man möchte
einen Freund, um seine Empfindungen genommen zu sehen; man wünscht sich ein
williges liebendes Mädchen auf das Moos, um am Fuße der stolzen Eiche in
lebendiger Beweglichkeit das höchste Opfer der Menschen zu feiern, und der
tapfern barschen Natur zu zeigen, dass es im Leben nicht auf kolossalische,
unbewegliche Grobheit ankömmt.« - »Aber hier,« fuhr ich fort, »was will man hier
machen? Hier ist alles so zahm, da steht Kohl und dort steht Weisskraut und
jenseits Korn und dort - wie heißen Sie?« wendete ich mich zum kleinen Dichter.
    - »Haber.«
    - »Und dort steht Haber, und alles sieht aus, als wisse es schon, dass es
nächster Tage werde gefressen werden, vielleicht gar als Futter unvernünftiger
Tiere.«
    »Ja,« sagte Godwi, »hören Sie ein paar Hofhunde klaffen, und einen Hahn
krähen, und ein paar Kühe brüllen, so ist alles in Richtigkeit mit der
genialischen Natur, und man muss sich dann meistens, weil es kotig ist, an dem
Himmel halten.«
    Es war ein schöner Himmel, und alles, was wir hörten, sahen, war still, müde
und ruhend.
    »Hier ist der Abend nicht viel anders«, sagte ich, »als Ruhe ohne alle
Erinnerung, es ist keine Selbsttätigkeit in einem solchen Abend, und er sagt
nichts als: nun ist es recht gut, nun geht es bald ins Bett.«
    »Sie sind etwas zu unbändig,« sagte Godwi, »nehmen Sie sich in acht, dass Sie
nicht werden wie
