 sind mir lieb. Sehr selten
Ists, dass sich eines zeigt; es geht dann
In meinem Leben sicher etwas Seltnes
Und Wunderbares vor, sie schimmern
Wie Winke meines Schutzgeists in der Nacht,
Und wandeln ferne in der Gegenwart
Wie kühnere Minuten meiner Zukunft vor mir.
Eusebion lieben sie, er sprach schon oft
Mit ihnen, und sie tanzen freundlich um ihn.
Willst du mir meine zarten Freunde stören,
So gib mir erst, was sie mir still gewähren.
So weit für heut, ich bin so müde.
                                                                           Godwi
 
                                 Godwi an Römer
Ich bin schon wieder genesen. Ich gehe schon wieder durch Wald und Flur, und
ohne Mühe, ohne Kampf mit dem vorigen. Auch mein Körper ist sanfter gestimmt.
Alles ist einfacher in mir. Ich kann lange an einer Stelle stehen, ohne jene
innere Angst, die mich immer weitertreibt.
    O wie ist die Natur so groß, und wie ist der Mensch größer! Wie kann er sie
bändigen in sich; wie kann er weit hinaus sehen, und so unendlich viel in sein
Auge fassen, und es mit seinem Geiste ruhig anfühlen und betrachten.
    Es ist mir nun alles erklärbar, alles verstehe ich; es hängen mir nicht mehr
um jede Aussicht alle Erinnerungen, und reißen mich von der Gegenwart gewaltsam
zurück.
    Sonst musste ich immer durch eine düstere Wolke von Reflexionen durchbrechen,
um zu genießen. Es ist, als sei nach dieser Krankheit mein Bedürfnis kleiner und
mein Begehren heftiger geworden.
    Der Alte ist nun immer freundlicher mit mir, und ich bringe heilige Stunden
mit ihm und Tilien zu.
    Eins nur kann ich noch nicht lösen; wer war sie, die mit dem Knaben auf dem
Arm am Ende der Wiese stand? -
                                                                           Godwi
 
                           Fortsetzung des Tagebuchs
Die Worte Tiliens beschämten mich. Ich schwieg. Ich wollte Tilien ihre Götter
rauben, und sie blieb mir freundlich. Ich sah in mich zurück und um mich her, da
blieb es kalt und leer. Kein Bild sprach mit mir von einem heiligen
Zusammenhange mit einem höheren Leben. O, wer gibt mir diese Religion?
    Wenn ich Tilien und mit ihr den schönen Zusammenhang mit ihren stillen
Lichtern erhalten könnte! Wie ehre ich nun diese stillen Lichter - Sind sie
Tilien, was sie mir ist? - Sollte mich nicht eine schöne Eifersucht bewegen, an
ihre Stelle zu treten, meine Stelle mit ihnen zu vertauschen? - Wie - wie kann
die wilde verzehrende Flamme in mir zum stillen Lichte werden? -
    So war es in mir. Tilie ging ruhig an meiner Seite und sang:
Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.
Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht
Und die Kränze stilleuchtender Funken
Die Nacht
