 und als sich Fasanen von
der Madre-Insel in die Wellen warfen: so stand er wie ein Sturmvogel mit
aufgeblättertem Gefieder auf dem blühenden Horst, seine Arme hob der Morgenwind
wie Flügel auf, und er sehnte sich, über die Terrasse sich den Fasanen
nachzustürzen und im Strome der Natur das Herz zu kühlen.
    Er nahm, ohne sich umzusehen, verschämt die Hände der Freunde und drückte
sie ihnen, damit er nicht sprechen müsse. Das stolze Weltall hatte seine große
Brust schmerzlich ausgedehnt und dann selig überfüllt; und da er jetzt die Augen
wie ein Adler weit und fest in die Sonne öffnete; und da die Erblindung und der
Glanz die Erde verdeckte und er einsam wurde; und die Erde zum Rauch und die
Sonne zu einer weißen sanften Welt, die nur am Rande blitzte: so tat sich sein
ganzer voller Geist wie eine Gewitterwolke auseinander und brannte und weinte,
und aus der reinen blassen Sonne sah ihn seine Mutter an, und im Feuer und Rauch
der Erde stand sein Vater und sein Leben eingehüllt.
    Still ging er die Terrassen herunter und fuhr oft über die nassen Augen, um
den feurigen Schatten wegzuwischen, der auf alle Gipfel und alle Stufen hüpfte.
-
    Hohe Natur! wenn wir dich sehen und lieben, so lieben wir unsere Menschen
wärmer, und wenn wir sie betrauern oder vergessen müssen, so bleibst du bei uns
und ruhest vor dem nassen Auge wie ein grünendes abendrotes Gebirge. Ach vor der
Seele, vor welcher der Morgentau der Ideale sich zum grauen kalten Landregen
entfärbet hat - und vor dem Herzen, dem auf den unterirdischen Gängen dieses
Lebens die Menschen nur noch wie dürre gekrümmte Mumien auf Stäben in Katakomben
begegnen - und vor dem Auge, das verarmt und verlassen ist und das kein Mensch
mehr erfreuen will - und vor dem stolzen Göttersohne, den sein Unglaube und
seine einsame, menschenleere Brust an einen ewigen unverrückten Schmerz
anschmieden - - vor allen diesen bleibst du, erquickende Natur, mit deinen
Blumen und Gebirgen und Katarakten treu und tröstend stehen, und der blutende
Göttersohn wirft stumm und kalt den Tropfen der Pein aus den Augen, damit sie
hell und weit auf deinen Vulkanen und auf deinen Frühlingen und auf deinen
Sonnen liegen! - -
 
                                    2. Zykel
Ich wüsste einem Menschen, den ich lieb habe, nichts Schöneres zu wünschen als
eine Mutter - eine Schwester - drei Jahre Beisammenleben auf Isola bella - und
dann im zwanzigsten eine Morgenstunde, wo er auf dem Eden-Eiland aussteigt und
alles dieses mit dem Auge und der Erinnerung auf einmal geniessend umfängt und in
die offene Seele drückt - - O du allzuglücklicher Albano auf dem Rosenparterre
der Kindheit - unter Italiens tiefblauem Himmel - in den schwelgerischen
Zitronenlauben voll Blüten - auf dem Schoße der
