 dich in der Todesnot,
er sagt dir tausend Lebewohl, Lebewohl!«
    Das schien durch die dem Leben noch offenen Ohren ins brechende Herz noch
süße Töne der alten lieben Zeit und heitere Träume der ewigen Liebe zu führen -
der Mund fing ein kleines Lächeln an, von Lust und Tod zugleich gezogen - die
breite Brust stieg noch einmal voll auf zu einem frohen Seufzer - es war der
letzte des Lebens, und lächelnd blieb der Verstorbne auf der Erde zurück.
    Nun hast du hienieden geendigt, strenger, fester Geist, und in das letzte
Abend-Gewitter auf deiner Brust quoll noch eine sanfte, spielende Sonne und
füllte es mit Rosen und Gold. Die Erdkugel und alles Irdische, woraus die
flüchtigen Welten sich formen, war dir ja viel zu klein und leicht. Denn etwas
Höheres als das Leben suchtest du hinter dem Leben, nicht dein Ich, keinen
Sterblichen, nicht einen Unsterblichen, sondern den Ewigen, den All-Ersten, den
Gott. - - Das hiesige Scheinen war dir so gleichgültig, das böse wie das gute.
Nun ruhst du im rechten Sein, der Tod hat vom dunkeln Herzen die ganze schwüle
Lebens-Wolke weg gezogen, und das ewige Licht steht unbedeckt, das du so lange
suchtest; und du, sein Strahl, wohnst wieder im Feuer.
 
                         Fünfunddreissigste Jobelperiode
Siebenkäs - Beichte des Oheims - Brief von Albanos Mutter - das Kron - Rennen -
                     Echo und Schwanengesang der Geschichte
                                   140. Zykel
Lange lag Albano im einsamen finsteren Abgrund, bis endlich Licht die Schlucht
und die grüne Höhe erleuchtete, von welcher er herunterstürzte. Das sonst
lebensfärbige männliche Gesicht des Freundes lag weiß vor ihm, der rote Mantel
erhöhte noch den Leichenschnee. Der Hund lag mit dem Kopfe auf der Brust, als
woll' er sie wärmen und schützen. Als Albano den nackten Degen sah: blickte er
im Kreise umher, schauderte vor dem kalten Oheim, vor dem lebendigen Bruderbild
des Toten und vor dem ersten Argwohn zwischen fremdem und Selbstmord und fragte
leise: »Wie starb er?« - »Durch mich,« (sagte Siebenkäs) »an unserer
Ähnlichkeit, er glaubte sich zu sehen, wie dieser Herr hier versichert.« Der
Oheim erzählte einige Punkte, Albano kehrte Ohr und Auge von ihm ab; aber in den
warmen Widerschein der befreundeten Gestalt senkt' er den Blick, dem das
Tageslicht der Freundschaft untergegangen war. Siebenkäs schien sich in einer
seltenen männlichen Haltung zu behaupten. Auch Albano, der jüngere Freund,
verbarg seinen Jammer, dass er so viel verloren und dass nun sein Waisen-Herz
ausgesetzt sei wie ein hülfloses Kind in die Wüste des Lebens.
    Wehrfritz fragte ihn, ob er ihm ein Pferd zur Reise in die Stadt
