Leben Sie glücklicher, lieber Graf; einst hoff' ich Sie so
glücklich wiederzufinden, als Sie sich machen sollen.« Die Berührung der Hand
wie einer himmlischen, die sich aus den Wolken gibt, durchströmte ihn mit einem
verklärten Feuer jener Welt, wo Auferstandne leicht und schimmernd schweben, und
die hohe, Ehrfurcht gebende Gestalt begeisterte sein Herz; - er konnte nicht
sagen, was er in sich besiege und bedecke, aber auch kein anderes kaltes
verkleidetes Wort; - er kniete nieder, drückte ihre Hand an die Brust, sah
weinend an den Sternenhimmel und sagte bloß: »Frieden, Allgütiger!« - Idoine
wandte sich eilig ab und ging nach einigen schnellen Schritten langsam den
kleinen Hügel in den Prinzengarten hinunter.
    Nach wenigen Minuten sah er die Fackeln ihres Wagens durch die Nacht
fliegen, in der sie gern zu reisen wagte. Um den Hügel war es dunkel, die
Abendröte und der Abendstern waren untergegangen, die Erde wurde ein Rauch und
Schutt der Nacht, am Horizont bauete ein Trauergerüst von Wolken sich auf. Aber
in Albano war etwas unbegreiflich Freudiges, ein lichter Punkt in der Finsternis
des Herzens. Und als er den Leucht-Atom anschauete, breitete er sich aus, wurde
ein Glanz, eine Welt, eine unendliche Sonne. Jetzt erkannt' er es, es war die
rechte unendliche und göttliche Liebe, welche schweigen kann und leiden, weil
sie nur ein Glück kennt, aber nicht das eigne.
    Er war erfreut über das Überhüllen seiner Brust und über seinen Entschluss,
sie nicht wiederzusehen in der Stadt. »So still« (sagt' er halb betend, halb
sprechend) »will ich sie ewig lieben ihre Ruhe, ihr Glück, ihr schönes Streben
bleibe mir heilig und ihre Gestalt mir verdeckt und fern wie die ihrer
Himmels-Schwester - Aber wenn die Schlacht für das Recht anfängt und die Töne
neben den Fahnen in die Höhe wehen und das Herz eifriger schlägt, um stärker zu
bluten, dann ziehe dein Bild, o Idoine, mir im Himmel voran, und ich streite für
dich; und wenn im Getümmel ein unbekannter Würgengel die giftige Schneide über
die Brust zieht: so will ich im ermattenden Herzen dich festhalten, bis mir die
Erde vergeht.«
    Er sah sich nach diesem Gebete heiter um auf dem Gottesacker des
jungfräulichen Herzens, er fühlte, Liane allein dürf' es wissen, und sie werd'
ihn segnen.
 
                                   138. Zykel
Albano konnte in einer Gegend, in welcher die einzelnen Säulen und Bogen des
zerstörten Sonnentempels seiner Jugend umherlagen, keine Nacht zubringen:
sondern er begab sich traurig-träumend auf den Weg zur Stadt. Unterwegs fand er
den Landschafts-Direktor Wehrfritz zu Pferd, der ihn suchte. »
