 es, dass Sie mir einst den Frieden gegeben; und vor der verborgenen Hülle
des Geistes, in dessen Sinne Sie sprachen, dank' ich Ihnen hier.«
    Idoine antwortete: »Ich tat es, ohne Sie zu kennen, und darum konnt' ich mir
den kurzen Gebrauch oder Missbrauch einer entfliehenden Ähnlichkeit erlauben.
Hätt' es von mir abgehangen, so hätt' ich Sie nie mit einer so unbedeutenden,
wie eine äußere ist, doch so schmerzlich erinnert. Aber ihr Herz verdient Ihr An
denken und Ihre Trauer. Man schrieb mir, Sie wären nicht mehr in Lindenstadt.« -
Sie suchte jetzt zum Fortgehen zu eilen. »In einigen Tagen« (antwortete er)
»werd' ich auch reisen. Ich suche Trost im Kriege gegen den Frieden des Grabes
und der Wüste, der mein Leben stille macht.« - »Ernste Tätigkeit, glauben Sie
mir, söhnet zuletzt immer mit dem Leben aus«, sagte Idoine, aber die ruhigen
Worte wurden von einer bebenden Stimme getragen, denn durch Hilfe ihrer
Schwester hatte sie das ganze graue Regenland seiner Gegenwart vor das Auge
bekommen, und ihr Herz war voll tiefen Mitleidens gegen die Menschen.
    Er sah sie hier scharf an, ihre Nonnen-Augenlider, die immer unter dem
Sprechen sich über die ganzen großen Augen nieder senkten, machten sie einer
entschlummerten Heiligen so ähnlich; - er wurde von ihren letzten Worten an ihr
fruchttragendes Leben in Arkadien erinnert, wo der bunte Blütenstaub ihrer Ideen
und Träume, ungleich dem schweren toten Goldstaub des bloßen Reichtums, leicht
im heitern Leben flatternd, unbemerkt belebend, endlich feste Wälder und Gärten
auf der Erde ausbreitete - alles in ihm liebte sie und rief: nur sie könnte
deine letzte wie deine erste Liebe sein - und sein ganzes Herz, durch Wunden
offen, war der stillen Seele aufgetan. Aber ein ernster, harter Geist schloss es
wieder zu: »Unglücklicher, liebe keine mehr, denn ein dunkler Würgengel geht
hinter deiner Liebe mit dem Schwert, und welche Rosenlippe du an dich drückst,
diese berührt er mit der scharfen Schneide oder mit der Giftspitze, und dann
vergeht oder verblutet sie.«
    Er sah schon den Glanz dieses Schwerts im langen Dunkel ziehen; denn Idoine
hatte das Gelübde getan, nie unter ihrem Fürstenstande die Hand zum Bunde der
Liebe zu reichen. So standen beide geschieden nebeneinander in einem Himmel,
eine Sonne und ein Mond, durch eine Erde getrennt. Sie beschleunigte ihre
Entfernung. Albano hielt es nicht für recht, sie zu begleiten, da er jetzt
erriet, dass die graugekleideten Menschen, die ihn zurückgewinket, ihre Bedienten
gewesen, ihr die Einsamkeit zusichern sollen. Sie reichte ihm an der Gartentüre
die Hand und sagte: »
