, - weg bleibt weg,
Chariton!« und führte sie seitwärts von den Liebenden schonend. An Albano, der
nichts überhörte und übersah, war die Erschütterung davon so sichtbar. Auch
Linda nahm sie wahr. »Sprich nur aus dein Weh,« (sagte sie) »ich liebe sie ja
auch.« - »Ich denke an die Lebendigen« (sagt' er, sich zusammenfassend, und
blickte scheu nicht auf den Blumengarten, sondern auf die sonnentrunkne
Abendgegend) - »kann man denn genug auf der Erde vergeben und erraten? - Linda,
o wie vergibst du mir heut!«
    »Freund,« (sagte sie)»wenn Ihr sündigt, sollt Ihr Vergebung empfangen; aber
bis dahin seid noch still!« Er sah sie bedeutend an: »Hast du nicht schon
vergeben und ich noch nicht? - Aber wüsstest du, wie ich in diesen Tagen auf dem
Weg zu meinem Schoppe innigst bei dir lebte und die göttliche Vergangenheit in
die Zukunft brachte - ach, kann ich dir denn alles sagen an diesem Orte?« - Zum
Glück hörte sie - gleich andern Frauen weniger auf Worte als auf Mienen, Winke
und Taten merkend - mehr mit dem geistigen als leiblichen Ohre und trat nicht in
den so nahe aufgesperrten Abgrund seiner Worte. So spielten jetzt beide, wie
Kinder, neben der kalten, mit Donner durchzognen Gewitterstange, aus welcher bei
der kleinsten nähern Nähe die blitzende Sense des Todes fährt.
    Beide gaukelten neben dem Gewitter fort. Die Sonne zog neben dem kleinen
Berge und ebenen Blumen-Grabe mit ihren Flammen in die fernen Ebenen hinein. Aus
dem tiefen Prinzengarten flatterten Töne durch die langen Abendstrahlen herauf
und vergötterten die goldne Gegend. - Die Töne waren einsame Schwingen, die sich
ihr Herz suchten und dann an ihm weiterflogen - und die liebenden Herzen wurden
voll Flügel - Die Strahlen sanken, die Töne stiegen Um Linda und Albano lag ein
goldner Kreis aus Gärten und Bergen und grünen Tiefen, und jede Blume schwankte
reich unter dem letzten Gold und wurde die Wiege des Auges, die Wiege des
Herzens - Die Liebenden blickten sich und die Erde begeistert an, die glänzende
Welt erschien ihnen nur im Zauberspiegel ihrer Herzen, und beide selber waren
darin leuchtende schwebende Bilder.
    »Linda, ich will sanfter werden,« (sagt' er) »bei der Heiligen schwör' ichs,
in deren Garten wir stehen!« - »Werd es, Lieber, in Lilar warst du es eben
nicht!« sagte sie. Er verstand es von dem Sturme gegen Liane: »Verhülle dies
Andenken in deine Liebe!« sagt' er errötend. Sie sah ihn jungfräulich an, ihr
Inneres war jungfräulich geblieben und unschuldig;
