 schaute über sein Land und Meer. Und wie Schnee rollte von den
Gebürgen der lichte Tag in das Meer herunter, in Glanz zerrinnend, und floss über
das weite glückliche Kampanien und in dunkle Kastanien-Täler. - Und die Erde
wurde unabsehlich, und die Sonne zog im weiten Strahlen-Netz die süß-gefangne
Welt im schönsten Äther weiter.
    O Linda, da prangte deine Insel ausgebreitet, stolz gelagert im Meer mit
herunterfliessendem Morgenrote, ein hochmastiges Kriegsschiff - und ein Adler,
der Vogel des Donnergottes, flog in die selige Weite, als trag' er mein Herz in
seiner Brust zu deinem Epomeo hin. - O ich möchte ihm nach, sagte mein Geist.
Der heiße Boden tat Donnerschläge, und der Rauch umhüllte mich. - Ich möchte
sterben, damit ich dem Adler nachflöge und jetzt in Ischia wäre...«
                                       *
Hier hielt die heftig erregte Seele sich innen. Er ging oder glitt den Abhang
nach Portici herab. In einem gegenseitig vorher festgesetzten Hause glaubt' er
seinen Freund wiederzufinden. Aber er fand weder Dian noch den erwarteten Brief
von Linda. Entkräftet von Gehen, Wachen und Glühen, fiel er im kühlen, stillen
Zimmer in einen Traumschlaf. Da er erwachte, stand die Mitternacht des
italienischen Tags um ihn, die Siesta - alles ruhte unter dem heißen stillen
Lichte - im Himmel war keine Lerche - die grünen Sonnenschirme neben seinem
Fenster, die Fichten, standen ungeregt in der Erde, und nur die Pappeln wiegten
leise die neugeborne Blüte des Weins, die in ihren Armen lag - und der Efeu, der
von Gipfeln hing, schwankte ein wenig. - Solche Schattenzweige spielten einst in
Lilar in Charitons Zimmer, als er Lianen erwartete und damals an Italien dachte.
- Der große ebene einfache Garten von Portici nach Neapel, ein von Wellen
umspültes Garten-Gewebe von Dörfern, Baumwäldchen und Landhäusern, führte sein
Auge über Blüten nach seinem Paradies im Meer. - Diese einsame stille Zeit voll
Sehnsucht erweichte unendlich sein schönes Herz. Er endigte so den abgebrochnen
Brief:
                                                                      In Portici
»O meine Linda! Ich bin dir wieder näher, aber die Ferne zwischen uns wird mir
hier in der Stille so weit! O Linda, ich liebe dich mit Schmerzen, in der Nähe,
in der Ferne - o mit welchen verlör' ich dich erst? - Warum bin ich denn deiner
Liebe so gewiss? Oder so ungewiss? Leise spricht dein Herz zu mir. Leise Musik und
Liebe ist einer entfernten gleich, - und die ferne auch wieder der leisen. Hat
mich der erhabene Säulenstuhl des Donnergottes neben mir so sehr erschüttert,
oder denk' ich zu lebhaft an das hohle tote Herkulanum unter mir, wo eine Stadt
ein Sarg
