 - und den ganzen webenden
Zauberkreis freudiger Kräfte, diese in Licht und Leben schwimmende Welt; - dann,
Linda, hätte ohne dich durch die warme Seligkeit ein kalter Schmerz gezückt, und
im goldnen Abendlicht wären Erinnerungen mit Trauer-Larven gegangen.
    O Linda, wie hast du meine Welt gereinigt und erweitert, und ich bin nun
überall glücklich. Du hast den schweren scharfen Pflug des Lebens, der mühsam an
der Ernte arbeitet, in einen leichten Griffel und Pinsel verwandelt, der
umherspielt, bis er eine Götter-Gestalt erschafft. Sah' ich heute nicht jeden
Tempel und jeden Hügel froher, wie von dir vergoldet, und jede Schönheit, sie
mochte an der Statue, auf der Leinwand oder auf der singenden Lippe oder auf den
Gipfeln blühen, prangte und duftete üppiger, und dann flog ich von der kleinen
Blume auf zur blühenden Linda?
    Wie herrschet die dunkle Gewalt hinter der Wolke! Versiegelte Befehle gibt
sie uns mit, damit wir sie auf einer späten fremden Stelle erbrechen. Gott, erst
auf Ischias Epomeo musst' ich meinen öffnen, da ging ein Augenblick über das
Leben und gebar die Ewigkeit, der Schmetterling brachte die Göttin!
    Der Abend geht unter, und ich muss schweigen. Wüsst' ich nur, wie der deinige
ist! Mein Leben besteht jetzt aus zwei Stunden, deinen und meinen, und ich kann
nicht mehr mit mir allein leben. - Dieser Tag sei dir doch reich und mild
entwichen und dein Abend wie meiner! Die Sonne rötet nur noch den Vesuv, die
Inseln verglühen langsam im dunkeln Meer, ich schaue nun, ohne mit dir zu
sprechen, den großen Abend an, aber o Gott, so anders als in Rom! Selig werd'
ich mein Auge nur an deine auslöschende Insel im Glanz-Getümmel des Abendrots
heften und lange noch hinsehen, wenn schon Epomeos Gipfel in der Nacht
verwittert; und dann werd' ich heiter in das mit Lichtern umstellte Grab der
Farben unter mir schauen - frohe Gesänge werden durch die Dämmerung ziehen - die
Sterne werden liebreich schimmern - und ich werde sagen: Ich bin allein und
still, aber unaussprechlich selig, denn Linda hat mein Herz, und ich weine nur
aus Liebe, weil ich an ihres denke, und trunken werd' ich durch den Blütenrauch
des Bergs hinuntergehen.« -
                                       *
Er kam langsam nach Neapel zu seinem Freunde Dian zurück, alle Fest-Lust, die
ihm begegnete, das ganze Odeum der Wonne, in welchem das klingende Rad der Leier
schwindelnd umrollte, schien ihm bloß sein Nachklang zu sein, indes sonst erst
den äußern sinnlichen Saiten des Menschen die innern nachklingen. Er wollte nur
immer weiter und noch - wenn es ginge - diese Nacht auf den
