 lieben.« Julienne fing schon mit Schwester-Sorgen für seine
Gesundheit und seine Zwecke an - geteilt zwischen zwei Brüder, hätte sie sich
gern, wär' es nur möglich, beiden zugleich geopfert. - »Ischia hat der gute
Mensch auch noch nicht genossen,« (sagte sie) »das muss er heute haben.«
    Albano fühlte bei dieser neuen weiblichen Liebe, das Weib sei das Herz in
der schönsten Gestalt. In ihm klang ein Freudenlied: welch ein Tag liegt vor
dir, und welche Jahre! - Vom Überhang der doppelten Liebes-Blüten süß
umschlungen und eingesponnen, sah er das Leben und die Erde voll Duft und Licht
- über den Morgentau der Jugend war nun eine Sonne heraufgeführt, und die
dunkeln Tropfen strahlten durch alle Gärten hinauf und hinab.
    Er warf endlich einen Blick auf den Ort, der ihn umgab; Niobes Gruppe, der
Genius von Turin, Amor und Psyche standen abgegossen da, aus dem Kabinette eines
Künstlers in Neapel entlehnt - die Wände waren mit seltenen Gemälden geschmückt,
worunter der - niesende Schoppe war. Dieser allein drang mit der nordischen
Vergangenheit heftig in sein erweichtes Herz, und er sagte der Geliebten sein
Gefühl. »Sie ziehen« (sagte sie) »der Kunst die Freundschaft vor, denn das
Porträt ist das Schlechteste in meiner Sammlung; aber das Original verdient wohl
alle Achtung.«
    Sie ging ins Kabinett und holte ein Miniaturbild von sich selber, das sie
nach türkischer Sitte darstellt, eingeschleiert und nur ein Auge aufgedeckt. Wie
neben der Schleier-Dämmerung das offene Seelen-Auge lebendig blickte und traf!
Wie die Flamme ihrer Macht die Hülle der Milde durchbrannte! - Linda nannte den
Meister des herrlichen Bildes, eben diesen Schoppe, und setzte dazu: er habe
gesagt, hier müsse der Meister aus Gegengefälligkeit selber ein Werk loben, das
ihn so parteiisch und kräftig lobe wie noch kein anderes Werk von ihm. Sie
erklärte diese Verschiedenheit seines Pinsels aus einer Ursache, die er ihr
selber fast wörtlich gesagt: er habe nämlich in seiner frühesten Jugend ihre
Mutter so lange geliebt, als er sie gesehen, und hernach niemand weiter, und
darum hab' er, da sie ihr ähnlich sei, sie con amore gemalt und wirklich etwas
zu leisten gesucht.
    »O redlicher alter Mensch!« sagte Albano und konnte sich kaum der Tränen aus
Augen, die so oft glücklich waren, erwehren; aber nur aus heiligem
Freundschafts-Schmerz. Denn es fuhr nun durch ihn - wie ein Wetterstrahl durch
den hellsten Himmel - die durch alles, durch Schoppens Tagebuch und Lindas Worte
und Rabettens Brief gewisse Vermutung, dass Linda die Seele sei, die der
sonderbare Mensch verborgen geliebt. Ein scharfer Schmerz schnitt eilig
