 ernstlich es tun? Wer kann denn im Abendscheine das ungeheuere
Wellen-Reich anschauen, wie dort das Regen sich in der Ferne stillt und nur
glänzt und endlich blau und golden mit dem Himmel verschwebt, und wie hier die
Erde das weiche schwebende Feuer mit ihren langen Ländern in einen rosigen
festen Erdschatten einschliesset, wer kann den Feuerregen des unendlichen Lebens,
den webenden Zauberkreis aller Kräfte im Wasser, im Himmel, auf der Erde
erblicken, ohne niederzuknien vor dem unendlichen Natur-Geiste und zu sagen: wie
bist du mir so nahe, Unaussprechlicher! - O hier ist er in der Nähe und Ferne,
die Seligkeit und die Hoffnung schimmert von der Nebel-Küste her, und auch aus
den nahen Quellen, die das Gebirge in das Meer heruntergiesset, und in der weißen
Blüte über meinem Haupt. O rufet denn nicht diese Sonne, von brennenden Wellen
umflattert, und das Blau droben und drüben und die erglühenden Menschen-Länder,
die Welten in der Welt, rufet nicht diese Ferne das Herz und alle seine stolzen
Wünsche heraus? Will es nicht schaffen und in die Ferne greifen und seine
Lebensblüte vom höchsten Gipfel des Himmels reißen? Wenn es aber sich umsieht
auf seinen Boden, auch da wieder ist der Gürtel der Venus um den blühenden
Umkreis geworfen, hell grünt der hohe Myrtenbaum neben seiner kleinen dunkeln
Myrte, die Orange schimmert im hohen kalten Grase, und oben duftet ihre Blüte,
der Weizen weht mit breiten Blättern zwischen dem Mandel- und
Narzissen-Schmelze, und ferne ist die Zypresse und die Palme stolz; alles ist
Blume und Frucht, Frühling und Herbst. Soll ich hin, soll ich her, das fragt das
Herz in seinem Glück.
    So ging mir die Sonne unter die Wellen hinab - die roten Küsten flohen unter
ihre Nebel - die Welt erlosch von Land zu Land, von einer Insel zur andern - der
letzte Goldstaub auf den Höhen wurde verweht - und die Gebetglocken der Klöster
führten das Herz über die Sterne hinauf. -
    O wie war meines so froh und so sehnend, zugleich ein Wunsch und ein Feuer,
und in meinem Innersten sprach ein Dankgebet fort, dafür, dass ich war und bin
auf dieser Erde.
    Nie vergess' ich das! Wenn wir das Leben wegwerfen als zu klein gegen unsere
Wünsche: gehören nicht diese zu jenem und kamen von ihm? Wenn die bekränzte Erde
solche Blüten-Ufer, solche Sonnen-Gebirge um uns zieht, will sie damit
Unglückliche einschliessen? Warum ist unser Herz enger als unser Auge, warum
erdrückt uns eine kaum meilenlange Wolke, die doch selber unter unermesslichen
Sternen steht? Ist nicht jeder Morgen ein Frühlingsanfang und jede Hoffnung? Was
sind die dichtesten Lebensschranken anders als ein Rebengeländer
