, bis ihr Grab aufgeht und sie wegnimmt.« - O,
wie werd' ich dann, sagt' er zu sich, vor dem Sterbetrone dieses Engels mein
hartes, stolzes, wildes Herz zerknirschen und alles, alles, womit ich die sanfte
Seele in Lilar blind und wund gemacht, zurücknehmen, damit sie nicht zu sehr
verachte die kurzen Tage ihrer Liebe und damit doch ihr Herz verscheide mit
einer kleinen letzten Freude von mir! - Und das, o Gott, bescheide uns!
    Vergeblich trug Schoppe darauf an, dass er mit ihm die Expeditionsstube der
Nacht-Wunder, die so wahrscheinlich im gotischen Tempel anzutreffen sein musste,
suchen sollte; noch an diesem Tage wollte er vor die bleiche Geliebte dringen.
Auffallend bestand Schoppe auf dem Besuch von Lilar fort und verlangte diesen
zuletzt, voreilig befehlend; - aber jetzt war es verdorben und Albanos Nein
verpanzert. »Verflucht! wozu lass' ich mich denn in diesen Tränentöpfen kochen«,
sagte Schoppe und fuhr hinaus.
    Aber nach kurzer Zeit kam er wieder, mit einem Blatte von Gaspard, worin
dieser auf heute Relais-Pferde von der Post verlangte, und mit einem Vorschlag
von sich selber, dem Vater entgegenzugehen. Wie erfrischend wehte die väterliche
Nähe über Albanos schwüle Wüste! - Gleichwohl sagte er das zweite Nein: das
lange Wollen und Streiten und jede Stunde hüllte ihm Lianen immer finsterer in
ihre Wolke, und er dachte bange an seinen Traum über sie auf Isola bella161; -
und am Ende stutzte er argwöhnisch über das bedenkliche Zurückzerren.
    Und darin irrt' er nicht; Schoppe handelte nach ganz andern Begebenheiten,
als er noch erfahren hatte. Der Lektor nämlich, der mit alter kluger Redlichkeit
über den abtrünnigen, aber von ihm überall gelobten Jüngling von fernen Wache
hielt durch den stellvertretenden Schoppe, hatte diesem den aufgetürmten
bleischweren Wolkenbruch gezeigt, der sich nun gesenkt gegen das Haupt des edlen
Jünglings herbewegte; nämlich Lianens ganz nahen Tod.
    Früher war der Streit mit den Eltern, gleichsam diese poetische Härte für
Lianens Nerven, noch Eisenwein gewesen, die nachher im weichen Wasser der
Entsagung, Herbstruhe und Andacht schmolzen. Es gibt eine warme Windstille,
welche Menschen wie Schiffe zerlässet; eine Wärme, worin das Wachsbild des
Geistes zerrinnt. Täglich kam noch dazu der fromme Vater und breitete ihre
Schwingen aus, löste sie ab von den Erden-Hoffnungen und Erden-Bangigkeiten und
führte sie in den Glanz des göttlichen Trones. - Die schönen Frühlingslüfte
ihrer geendigten Liebe ließ sie wieder wehen, aber in höherer Stelle, es waren
dünne, milde Äther-Zephyre, Blumen-Hauche. - Sie wusste jetzt zugleich, sie
sterbe und liebe Gott. Sie stand wie eine Sonne schon ruhig und fern an ihrem
Himmel
