 der, sobald ein Blatt gezogen ist,
leicht alle gepaarte nachfallen; seine wilden Küsse brachen die ersten Blätter
aus - Dann sanken andere - Umsonst wehet der gute Genius fromme Töne aus der
Harfe des Todes und rauschet zürnend im Orkus-Fluße der Katakombe herauf -
Umsonst! - Der schwärzeste Engel, der gern foltert, aber lieber Unschuldige als
Schuldige, hat schon vom Himmel den Stern der Liebe gerissen, um ihn als
Mordbrand in die Höhle zu tragen. Der Wehrlosen enges, armes Lebens-Gärtchen,
worin nur wenig wächst, steht auf dem langen Minengang, der unter Roquairols
ausgedehnten Lustlagern wegläuft; und der schwärzeste Engel hat die Minen-Lunte
schon angesteckt - Feurig frisset der gierige Punkt sich weiter. Noch steht ihr
Gärtchen voll Sonnenschein, und seine Blumen wiegen sich - der Funke nagt ein
wenig am schwarzen Pulver, plötzlich reißt er einen ungeheueren Flammen-Rachen
auf und das grüne Gärtchen taumelt, zersprengt, zerstäubt, in schwarzen Schollen
aus der Luft herab an ganz fernen Stellen - Und das Leben der Armen ist Dampf
und Gruft. -
    Aber Roquairols ausgebreiteten, weiten und zusammengewurzelten Lust-Parks
widerstanden dem Erdstosse viel kräftiger. Beide traten dann betrübt - denn dem
Hauptmann war eine kleine Laube aufgeschleudert - aus dem Miniergange heraus,
trafen aber die Blinde nicht mehr an, die suchend sich verlaufen hatte, sondern
stießen nur dem umherirrenden Albano auf, der sehr trauerte und tobte, ob er
gleich diesen Abend nichts verloren hatte als - Freuden.
    Lasst uns die Betrogne und ihre Mit-Millionen mit einigen Worten vor einen
milden Richter führen! - Nicht das allein wird dieser Richter wiegen, dass sie,
vom Blütenstaube eines rauchenden Freuden-Frühlings betäubt, stumm-erstickt mit
dem jungfräulichen Schleier, erlegen dem Sturm der Phantasie - da Weiber um so
leichter vor der fremden und poetischen fallen, je seltener ihre eigne weht und
ihnen das Feststehen angewöhnt -, den Lohn eines ganzen jungfräulichen Lebens
sterben ließ: sondern das mildert am stärksten das Urteil, dass sie Liebe im
Herzen trug. Warum erkennt es denn das Männer-Geschlecht nicht, dass die Liebende
in der Stunde der Liebe ja nichts weiter tun will als alles für den Geliebten,
dass die Frau für die Liebe alle Kräfte, gegen sie so kleine hat und dass sie mit
derselben Seele und in derselben Minute ebensoleicht ihr Leben hingäbe als ihre
Tugend? - und dass nur der fodernde und nehmende Teil schlecht sei, besonnen und
selbstsüchtig?
    Das letzte oder siebente Kapitel seines Räuberromans ist sehr kurz und
widersprechend. Den dritten Tag besucht' er sie in ihrem Garten, war zärtlich,
vernünftig, nüchtern, zurückhaltend, als wär' er ein Ehemann. Da er sie voll
Kummer fand, den sie doch
