 und Sehnsüchtige auch heute nicht, und er wollte weniger andere
rühren als sich.
    Wie selig-ahnend traten sie wieder heraus vor die Sphinx der Nacht, welche
lächelnd mit sanften Sternenblicken vor ihnen lag. Gingen sie nicht durch eine
stille, dämmernde Unterwelt, leicht und frei ohne die schwere, klebende Erde an
den Füßen, und im weiten Elysium flattert nur der warme Äther, weil ihn
unsichtbare Psychen mit ihren Flügeln schlagen? Und aus dem Flötentale sendet
ihnen der Greis seine Töne als süße Liebespfeile nach, damit das schwellende
Herz an ihren Wunden selig blute. - Albano und Liane kamen vor eine Aussicht, wo
die weite Morgenlandschaft mit den Lichtstreifen von blühenden Mohnfeldern und
mit dunkeln Dörfern an die sanften Gebirge hinanstieg, wo der Mond aufwachte und
der Glanz seines Gewandes schon wie der eines Geistes durch den Himmel streifte
- hier blieben sie, auf die Luna wartend, stehen. Albano hielt ihre Hand. Alle
Gebirge seines Lebens standen im glühenden Morgenrot. »Liane,« (sagt' er) »so
unzählige Frühlinge sind jetzt droben auf den Welten, die herunterhängen; aber
dieser ist der schönste.« - »Ach das Leben ist lieblich, und heute wird es mir
zu lieb. - Albano,« (setzte sie leise dazu, und ihr ganzes Angesicht wurde eine
erhabene tränenlose Liebe, und die Sterne webten und stickten ihr Brautkleid)
»wenn mich Gott fodert, so lass' er mich dir immer erscheinen wie mir Karoline;
o wenn ich dich nur so durch dein ganzes liebes Leben begleiten und trösten und
warnen könnte, ich wünschte gern keinen andern Himmel.«
    Aber als er die Fülle seiner Liebe und den zürnenden Schmerz über den
Todeswahn aussprechen wollte, so kam sein wilder Freund, der, wie ein Vesuv
Lava- und Regenströme zugleich über die gläubige Rabette ausgiessend, ihr und
sich das Herz nur voller, nicht leichter gemacht; da sah Karl die verherrlichten
Menschen an und den blauen Horizont, wo schon der Mond seinen Schimmer zwischen
den festen Mastspitzen und Gipfeln vorauswarf, und blickte wieder in den Glanz
der heiligen Liebe. - Da konnt'er sich nicht länger halten, sein qualvolles Herz
stieg wie zu Gott auf zu einem ewigen Entschluss, und er umfasste Albano und
Rabette und sagte: »Geliebter! - Geliebte! - behaltet mein unglückliches Herz!«
-
    Rabette umklammerte ihn mitleidig wie eine Mutter das Kind und gab ihm
heiß-weinend ihre ganze Seele hin. - Albano umschloss staunend den Liebesbund. -
Liane wurde vom Strudel der Wonne an die geliebten Herzen gezogen. - Ungehört
riefen die Flöten fort, ungesehen wehten die weißen Fahnen der Sterne darüber. -
Karl sprach wahnsinnige Worte der Liebe und wilde Wünsche des Freuden-Todes
