 kleine Leben, das ich habe, jede Stunde bis
zur letzten, und vorher will ich dich auf alles zubereiten, was Gott schickt.«
    Eh sie in des frommen Vaters Hütte traten, griff Albano nach des Freundes
Hand, und die Schwestern vereinigten sich. Die Freunde gingen eine Zeitlang
stumm voraus; Karl blickte Albano an und fand den Frieden der Seligkeit auf
seinem Angesicht. Als dieser sah, wie Liane das überfüllte Herz an das
schwesterliche drückte: so wurde die Aufrichtigkeit und Freude in ihm zu stark,
und er fiel ohn' ein Wort dem lieben Bruder der ewigen Braut ans Herz und ließ
ihn stumm alles erraten aus den Tränen der Seligkeit. O er hätt' es doch erraten
aus dem bräutlichen Blick der Liebe, den seine Schwester von seinem Freunde
seltener wegzog, und aus der Innigkeit, womit sie Rabetten - gleichsam als
würden beide bald einander verwandt, als würde selber der Bruder bald schöner
sprechen, da er sie lange nicht mehr die kleine Linda hieß - an ihrem Herzen
einweihte für das brüderliche. Bei dem frommen Vater versteckte sich der
entzückte Blick wenig, den Albano, gleichsam unter dem Tore der Ewigkeit
stehend, in die Himmel warf, die wie Welten hintereinander schimmerten; er war
still, sanft, und in seinem Herzen wohnten alle Herzen. O liebe eines rein und
warm, so liebst du alle nach, und das Herz in seinem Himmel sieht wie die
wandelnde Sonne vom Tau bis zum Meere nichts als Spiegel, die es wärmt und
füllt.
    Aber in Roquairol fuhr sogleich, als er das himmlische Glück so nahe sah,
der aufrührerische Geist seiner Vergangenheit und schlug epileptisch die Glieder
des innern Menschen blutig - die unsterblichen Seufzer nach dem ewig fliehenden
Frieden quälten ihn wieder, seine Fehltritte und Irrtümer und sogar die Stunden,
wo er unschuldig litt, wurden ihm schmerzlich vorgerechnet und da sprach er (und
rührte jedes Herz, am meisten aber das der armen Rabette, das er, sich zu
erwärmen, an sich presste, wie nach der Sage der Adler die Taube, der dann sie
nicht zerreisset) - da sprach er edel von der Wüstenei des Lebens und vom
Schicksal, das den Menschen wie den Vesuv zum Krater ausbrenne und dann wieder
kühle Auen darein säe und ihn wieder mit Feuer fülle - und vom einzigen Glück
des hohlen Lebens, von der Liebe, und von der Verletzung, wenn das Geschick mit
seinen Winden eine Blume118 reibend hin- und herbewege und dadurch die grüne
Rinde an der Erde durchschneide. - -
    Aber indem er so sprach, sah er die glühende Rabette an und wollte durch
diese Erwärmungen gleichsam die feste Blumenknospe seiner Liebe gewaltsam
sprengen und die Blätter unter die Sonne breiten - o ganz glücklich war doch der
Verworrene
