 denn bald zu ihr ziehe ins Reich des Lichts.
Sie antwortete, ich stürbe jetzt nicht, sondern etwas später, und sie nannte
recht deutlich das künftige Jahr und sogar den Tag, den ich aber vergessen.... O
lieber Albano! vergeben Sie mir nur einige Worte! Ich genas bald und trauerte
über die lange schleppende Zeit«
    »Nein« - (unterbrach Albano sie, dessen Gefühle wie Schwerter
gegeneinanderschlugen) - »ich ehre, aber hasse Ihr gefährliches Schreckbild.
Phantasie und Krankheit sind die Eltern des luftigen Würgengels, der wie ein
taubes Wetterleuchten sengend über alle Blüten der Jugend fliegt.«
    Sie antwortete gerührt: »O du guter, frommer Geist! du hast mich nie
betrübt, du hast mich stets getröstet, geleitet, froh und fromm gemacht. - Ein
Schreckbild ist er, Albano? - Eben gegen alle Schreckbilder, gegen alle
Geisterfurcht bewahrt er mich, weil er immer um mich ist. Warum, wenn er nur ein
Traumbild ist, erscheint er mir nie in meinen Träumen?116 Warum kommt er nicht,
wenn ich will? Sondern bloß in wichtigen Fällen; dann frag' ich ihn und gehorche
sehr gern. Er ist mir heute, Albano,« (setzte sie leiser und blöder hinzu)
»schon zweimal erschienen, unterwegs, als ich die innere Musik hörte, und vorhin
im Donnerhäuschen, als die Sonne unterging, und hat mir liebreich geantwortet.«
    »Und was sagt' er, Himmlische?« fragte Albano unschuldig. - »Ich sah ihn
unterwegs nur an und fragte nichts«, versetzte die Kindliche errötend; und hier
stand auf einmal ihre heilige Seele unwissend ohne Flor vor ihm; denn sie hatte
im Donnerhäuschen von der unsichtbaren Karoline das Ja zu ihrer Liebe empfangen,
weil jene ihr Geschöpf war und dieses ihre - Eingebung. Jawohl, Himmlische! du
stehst vor dem Spiegel mit dem jungfräulichen Schleier über deiner Gestalt, und
wenn dein Bild seinen leise hebt, glaubst du dich noch verhüllt! -
    Kein Wort spricht Albanos Verehrung eines so geheiligten Herzens aus, das
verklärte Wesen so helle träumte - dessen goldne Blumen auf dem Gedanken des
Todes, wie irdische auf Gottesäckern, nur höher wuchsen - das zugleich mit ihm
unsichtbare Hände in zwei ähnliche Träume117 gezogen - dem man sich schämte,
gemeine Wahrheiten zu geben für seine heiligen Irrtümer. - - »Du bist vom
Himmel« - (sagt' er begeistert, und seine Freude wurde die im Auge zerschmolzene
Perle, die den Durst des Menschenherzens löscht) »darum willst du wieder dahin!«
- »O ich weihe dir, mein Freund,« (sagte sie lächelnd-weinend und drückte seine
Hand an ihr frommes Herz) »das ganze
