 uns in der einen Stunde
nicht anders als in der andern?« Wie wir die Sonnenfinsternis eigentlich eine
Erdfinsternis nennen sollten, so wird nur der Mensch verfinstert, nie der
Unendliche; aber wir gleichen dem Volke, das der Verfinsterung der Sonne im
Wasser zusieht und dann, wenn dieses zittert, ausruft: seht, wie die liebe Sonne
kämpft!
    Albano trat in die Einsamkeit der reinlichen geordneten Wohnung des alten
Mannes nur beklommen, weil in der heißen Asche seines Vulkans alles üppiger
trieb und grünte. Spener zeigte von seinem Bergrücken hinüber auf das sogenannte
»Donnerhäuschen« 111 und riet ihm, es diesen Sommer zu bewohnen. Albano schied
endlich, aber sein bewegtes Herz war ein Meer, in welchem die Morgensonne
glühend noch halb steht und in welches sich in Abend ein bleifarbiges Gewitter
taucht und das glänzend schwillt unter dem Sturm. Er sah aus der Tiefe nach dem
nachblickenden Greise hinauf; aber er hätte sich heut kaum gewundert, wenn
dieser versunken oder aufgestiegen wäre. In zornig-mutigen Entschlüssen, für
seine Liebe, wonach kalte Hände griffen, mit seinem Leben zu bürgen und zu
opfern, schritt er durch den vom Vergrösserungsspiegel der Nacht zum schwarzen
Riesen-Tross aufgezognen Tartarus ohne alle Furcht; so ist die Geisterwelt nur
ein Weltteil unserer innern, und das Ich fürchtet nur das Ich. Da er vor dem
Altare des Herzens in der stummen Nacht, wo nichts laut war als der Gedanke,
stand, so riet ihm der kühne Geist einige Male, den alten Toten zu rufen und
laut zu schwören bei seinem Herzen voll Staub; - aber als er zum schönen Himmel
aufsah, wurde sein. Herz geheiligt, und es betete nur: »O guter Gott, gib mir
Liane!« -
    Es wurde finster, die Wolken, die er für glänzende, in den Himmel
herübergebogne Gebirge einer neuen Erde genommen, hatten den Mond erreicht und
düster überzogen.
 
                            Dreizehnte Jobelperiode
Roquairols Liebe - Philippica gegen die Liebhaber - die Gemälde - Albano Albani
             - das harmonische tête-à-tête - die Blumenbühler Reise
                                   60. Zykel
Aus den Tropfen, welche die Harmonika aus Rabettens Herzen gezogen hatte,
bereitet der alte Zauberer, das Schicksal, wie andere Zauberer aus Blut,
vielleicht finstere Gestalten; denn Roquairol hatte es gesehen und sich über das
Gefühl eines Herzens verwundert, das bisher mehr Arbeiten als Romane in Bewegung
gesetzt hatten. Nun trat er ihr mit Anteil näher. Er hatte seit der Nacht des
Schwurs sein Herz aus allen unwürdigen Ketten gezogen. In dieser Freiheit des
Sieges ging er stolzer einher und streckte die Arme leichter und sehnsüchtiger
nach edler Liebe aus. Er besuchte jetzt seine Schwester unaufhörlich; aber er
hielt noch an sich. Rabette war ihm nicht schön genug neben der
