 mit zartem Stolz
verschließen.
                                    Lucinde
Nicht ich, mein Julius, bin die die Du so heilig malst; obschon ich klagen
möchte wie die Nachtigall, und, wie ich innig fühle, nur der Nacht geweiht bin.
Du bist's, es ist die Wunderblume Deiner Fantasie, die Du in mir, die ewig Dein
ist, dann erblickst, wenn das Gewühl verhüllt ist und nichts Gemeines Deinen
hohen Geist zerstreut.
                                     Julius
Lass die Bescheidenheit und schmeichle nicht. Gedenke, Du bist die Priesterin der
Nacht. Im Strahl der Sonne selbst verkündigt's der dunkle Glanz der vollen
Locken, der ernsten Augen lichtes Schwarz, der hohe Wuchs, die Majestät der
Stirn und aller edlen Glieder.
                                    Lucinde
Die Augen sinken, indem Du rühmst, weil jetzt der laute Morgen blendet, und
lust'ger Vögel buntes Lied die Seele stört und schreckt. Sonst möchte wohl das
Ohr in stiller dunkler Abendkühle des süßen Freundes süße Rede gierig trinken.
                                     Julius
Es ist nicht eitle Fantasie. Unendlich ist nach Dir und ewig unerreicht mein
Sehnen.
                                    Lucinde
Sei's was es sei, Du bist der Punkt in dem mein Wesen Ruhe findet.
                                     Julius
Die heil'ge Ruhe fand ich nur in jenem Sehnen, Freundin.
                                    Lucinde
Und ich in dieser schönen Ruhe jene heil'ge Sehnsucht.
                                     Julius
Ach, dass das harte Licht den Schleier heben darf, der diese Flammen so
verhüllte, dass der Sinne Scherz die heiße Seele kühlend lindern mochte!
                                    Lucinde
So wird einst ewig kalter ernster Tag des Lebens warme Nacht zerreißen, wenn
Jugend flieht und wenn ich Dir entsage wie Du der großen Liebe größer einst
entsagtest.
                                     Julius
Dass ich doch Dir die unbekannte Freundin zeigen dürfte und ihr das Wunder meines
wunderbaren Glücks.
                                    Lucinde
Du liebst sie noch und wirst sie ewig mein auch ewig lieben. Das ist das große
Wunder Deines wunderbaren Herzens.
                                     Julius
Nicht wunderbarer als das Deine. Ich sehe Dich an meine Brust gelehnt mit Deines
Guido Locke spielen; uns beide brüderlich vereint die würd'ge Stirn mit ew'gen
Freudekränzen zieren.
                                    Lucinde
Lass ruhen in Nacht, reiss nicht ans Licht, was in des Herzens stiller Tiefe heilig
blüht.
                                     Julius
Wo mag des Lebens Woge mit dem Wilden scherzen, den zart Gefühl und wildes
Schicksal heftig fortriss in die herbe Welt?
                                    Lucinde
Verklärt und einzig glänzt der hohen Unbekannten reines Bild am blauen Himmel
Deiner reinen Seele.
                                     Julius
O ew'ge Sehnsucht! - Doch endlich wird des Tages fruchtlos Sehnen, eitles
Blenden sinken und erlöschen, und eine große Liebesnacht sich ewig ruhig fühlen.
                                    Lucinde
So fühlt sich, wenn ich sein darf wie ich bin, das weibliche Gemüt in
liebeswarmer Brust. Es sehnt sich nur nach Deinem Sehnen, ist ruhig wo
