 mit dem was die
Götter wollen und was sie in der heiligen Schrift der schönen Natur so klar
angedeutet haben. Das bescheidne Gemüt erkennt es, dass es auch seine wie aller
Dinge natürliche Bestimmung sei, zu blühen, zu reifen und zu welken. Aber es
weiß, dass eines doch in ihm unvergänglich sei. Dieses ist die ewige Sehnsucht
nach der ewigen Jugend, die immer da ist und immer entflieht. Noch klaget die
zärtliche Venus um den Tod des holden Adonis in jeder schönen Seele. Mit süßem
Verlangen erwartet und sucht sie? den Jüngling, mit zarter Wehmut erinnert sie
sich an die himmlischen Augen des Geliebten, an die sanften Züge und an die
kindlichen Gespräche und Scherze, und lächelt dann eine Träne, hold errötend,
auch sich nun unter den Blumen der bunten Erde zu erblicken.
    Andeuten will ich dir wenigstens in göttlichen Sinnbildern, was ich nicht zu
erzählen vermag. Denn wie ich auch die Vergangenheit überdenke, und in mein Ich
zu dringen strebe, um die Erinnerung in klarer Gegenwart anzuschauen und dich
anschauen zu lassen: es bleibt immer etwas zurück, was sich nicht äußerlich
darstellen lässt, weil es ganz innerlich ist. Der Geist des Menschen ist sein
eigener Proteus, verwandelt sich und will nicht Rede stehen vor sich selbst, wenn
er sich greifen möchte. In jener tiefsten Mitte des Lebens treibt die schaffende
Willkür ihr Zauberspiel. Da sind die Anfänge und Enden, wohin alle Fäden im
Gewebe der geistigen Bildung sich verlieren. Nur was allmählig fortrückt in der
Zeit und sich ausbreitet im Raume, nur was geschieht ist Gegenstand der
Geschichte. Das Geheimnis einer augenblicklichen Entstehung oder Verwandlung
kann man nur erraten und durch Allegorie erraten lassen.
    Es war nicht ohne Grund, dass der fantastische Knabe, der mir am meisten
gefiel unter den vier unsterblichen Romanen, die ich im Traum sah, mit der Maske
spielt. Auch in dem was reine Darstellung und Tatsache scheint, hat sich
Allegorie eingeschlichen, und unter die schöne Wahrheit bedeutende Lügen
gemischt. Aber nur als geistiger Hauch schwebt sie beseelend über die ganze
Masse, wie der Witz, der unsichtbar mit seinem Werke spielt und nur leise
lächelt.
    
    Es gibt Dichtungen in der alten Religion, die selbst in ihr einzig schön,
heilig und zart erscheinen. Die Poesie hat sie so fein und reich gebildet und
umgebildet, dass ihre schöne Bedeutsamkeit unbestimmt geblieben ist, und immer
neue Deutungen und Bildungen erlaubt. Unter diesen habe ich, um dir einiges von
dem anzudeuten, was ich über die Metamorphosen des liebenden Gemüts ahnde, die
gewählt, von denen ich glaubte, der Gott der Harmonie könnte sie, nachdem ihn
die Liebe vom Himmel auf die Erde geführt und ihn zum Hirten gemacht, den Musen
erzählt oder doch
