 die übrigen, die ihm folgen, gehören Ludwig und
meinen Pflichten! - Leben Sie ewig, ewig wohl! Einst, wenn Ihr Herz zur Tugend
zurückgekehrt ist und sich müde geschlagen hat im Getümmel der Welt und unter
dem Drucke des Lebens, dann Wodmar! - o diese Hoffnung ist Deiner Marie süß, -
dann sehen wir uns wieder!«
    Sie endigte diesen Brief mit vieler Heiterkeit und Ruhe des Geistes,
siegelte ihn selbst und gab ihn Ludwig, mit der Bitte, ihn nach ihrem Tode zu
besorgen. Konrad eilte so schnell, als es ihm möglich war, Frau Köhler zu holen,
und Liese kam nicht von dem Krankenbett ihrer geliebten Freundin, und gab durch
die unermüdete Sorgfalt, mit der sie sie abwartete, und durch die redlichen
Tränen, die sie bei ihrer immer zunehmenden Entkräftung vergoss, einen rührenden
Beweis, wie gut der Mensch sein kann, auch ohne Politur, die oft am innern
Werte nimmt, was sie dem Aeusserlichen an Glanz gibt.
    Ludwig, dessen treues Herz sich, nachdem er sie wiedergefunden, fester als
jemals an sie geheftet hatte, - Ludwig, der jetzt den Moment sich nahen sah, in
dem er sie für dieses ganze lange Leben verlieren sollte, hatte keinen Trost für
seinen Schmerz, als den, der allen Unglücklichen bleibt, den Trost der
Sterblichkeit.
    Er verließ das Zimmer seiner geliebten Gattin keinen Augenblick, und
bewachte unter Furcht und Hoffnung, die in ihm abwechselten, jede ihrer
Bewegungen. Einst erwachte sie nach einem sanften Schlummer, - ihr Auge blickte
sich hell und selig um, und sie reichte in trunkner Freude Ludwig ihre Hände,
der an ihrem Bette saß. O mein Ludwig! sagte sie, und die Glorie der Verklärung
schien ihre bleiche Gestalt zu umschweben und lieh ihr ein überirdisches
Lächeln, ich habe den ganzen Himmel gesehen, und meinen Vater und mich selbst, in
dem schönsten aller Träume! Ach, wie war mir so wohl im Kreise der Seligen!
Unsre Erde lag wie eine dunkle Wolke unter mir, und ich konnte keine der lieben
Gestalten erkennen, die ich zurückgelassen hatte. Und doch wurde mein Herz weich
vor Sehnsucht, die Seligkeit mit ihnen zu teilen, die mein ganzes Wesen
durchströmte. Da senkte sich von der zweiten Welt, die ich bewohnte, eine blaue
Nebelsäule hinab auf die verlassenen, dunkeln Gefilde meines ehemaligen
Vaterlandes, - und glänzender stieg sie wieder empor, - - süße Ahndung und
Wehmut schmelzten mein Herz! Du tratest aus dem blauen Duft, der Dich umgab,
und mein Vater segnete unser Wiedersehen. Dann führte mir der Engel der
Versöhnung auch Wodmar entgegen und wir umfassten uns alle in stiller Liebe, die
niemand störte und niemand tadelte! Da verloren wir plötzlich
