 Töne seiner Laute sang. Ein Freund sagte
einmal scherzend, indem er seinen Gesang bewunderte: Du bist entzückt, Dichter,
kannst du denn so über Meere hinüber vielleicht lieben, ohne den Gegenstand
deiner Leidenschaft zu kennen, oder je mit irdischen Augen gesehen zu haben? Wie,
wenn sie mir nun selbst im Gemüte, in meinem Innern wohnt, besitze ich sie dann
nicht näher, als jeder andre Sterbliche? antwortete der Sänger mit einer andern
Scherzrede: glaubt mir, Freunde, fuhr er fort, von ähnlichen seltsamen
Erscheinungen könnte ich euch Wunder erzählen.«
    Vansen räusperte sich, Sternbald nickte dem Erzähler lächelnd zu, der, ohne
sich stören zu lassen, so fortfuhr: »Nur zu bald wurde ernste Wahrheit aus
diesen Reden. Eine unbegreifliche Sehnsucht nach dem fernen niegesehenen Wesen
fasste und durchströmte die Brust des Dichters; wie alle Quellen zu den Strömen,
wie alle Ströme zum Meere unaufhaltsam fluten, so zogen alle Kräfte seiner Seele
nur ihr, der Einzigen, Ungekannten zu. Er konnte nicht mehr zurückbleiben, er
musste die weite Reise unternehmen. Seine Freunde baten, der Fürst, sein
Beschützer, beschwur ihn, aber umsonst; wollten sie ihn nicht sterben sehen, so
müssen sie ihn gewähren lassen. Er stieg zu Schiffe. Die Winde waren ihm zu
langsam, mit den Liedern seiner Sehnsucht wollte er die Segel füllen, und den
Lauf des Fahrzeuges mit Gedankenschnelle beflügeln. Unendlich schöne Lieder sang
er von ihr, er verglich und pries ihre Schönheit gegen alles was Himmel und
Erde, Meer und Luft Reizendes und Lieblichest. Aber sein Herz brach; er sank
schwerkrank darnieder, als die Schiffer vom Mast schon fern, ganz fern das
ersehnte Ufer wie eine Nebelwolke erspähten. Er raffte sich auf, er spannte sein
Auge an, seine Seele flog schon an das Gestade. Das Schiff lief in den Hafen
ein, das fremde Volk strömte herzu, um Nachrichten aus der Christenheit zu
erfahren. Auch die Prinzessin wandelte in der Nähe der Kühlung der Palmen. Sie
hörte von dem Sterbenden, sie stieg zum Schiff hernieder. Da saß er, an die
Schultern eines Freundes gelehnt und sah nun den Glanz der Augen, die Schönheit
der Wangen, die Frische der Lippe, die Fülle des Busens, die er so oft in seinen
Liedern gepriesen hatte. O wie beglückt bin ich! rief er aus, dass doch mein
brechendes Auge noch wahrhaft sieht, was ich ahndete, und dass die Wahrheit meine
Ahndung übertrifft. Ja, so wird es mit aller Schönheit sein, wenn sie sich einst
schleierlos unserm entkörperten Auge zeigt. Der weinende Freund sagte ihr, wer
sich anbetend zu ihren Füßen niedergeworfen hatte, sie kannte seinen Namen und
manche seiner geflügelten Töne waren schon
