 er
geblendet, wie ein wilder Zauberwald erschien ihm das demütige Gras, das
neidisch seinen Schatz verborgen hielt. Da leuchtete ihm die goldne Einfassung
wie mit Lächeln entgegen, er bückte sich und kniete nieder, und drückte das
liebe Büchelchen an Mund, Herz und Augen. War es ihm doch, als hätte er die
holdselige unbekannte Gestalt selbst wieder getroffen, der Wunderglaube seiner
Liebe hielt dieses Wiederfinden für eine glückliche Vorbedeutung, dass auch die
schöne Besitzerin ihm nicht auf immer verborgen bleiben werde.
    Er ging nach der Stadt. Das Gedränge am Tore war groß, denn jedermann eilte
nun aus den Feldern und von den benachbarten Dörfern zur Stadt zurück, er
beobachtete die mannigfaltigen Gesichter: der Mond stand am hellen Himmel, und
schien auf die Dächer der Kirchen und auf die freien Plätze; endlich kehrte er
in eine Herberge ein.
    Franz fühlte sich müde und ging bald zur Ruhe, aber er konnte lange nicht
einschlafen. Die Scheibe des Mondes stand seinem Kammerfenster gerade gegenüber,
er betrachtete ihn mit sehnsüchtigen Augen, er suchte auf dem glänzenden Runde
und in den Flecken Berge und Wälder, wunderbare Schlösser und zauberische Gärten
voll fremder Blumen und duftender Bäume; er glaubte Seen mit glänzenden Schwänen
und ziehenden Schiffen wahrzunehmen, einen Kahn, der ihn und die Geliebte trug,
und umher reizende Meerweiber, die auf krummen Muscheln Lieder bliesen und
Wasserblumen in die Barke hineinreichten. »Ach! dort! dort!« rief er aus, »ist
vielleicht die Heimat aller Sehnsucht, aller Wünsche: darum fällt auch wohl so
süße Schwermut, so sanftes Entzücken auf uns herab, wenn das stille Licht voll
und golden den Himmel heraufschwebt, und seinen silbernen Glanz auf uns
herniedergiesst. Ja, er erwartet uns, er bereitet uns unser Glück, und darum sein
wehmütiges Herunterblicken, dass wir noch in dieser Dämmerung der Erde verharren
müssen.«
    Er verschloss sein Auge, um zu träumen; da erschien ihm die Fremde mit allen
ihren Reizen, sie winkte ihm, und vor ihm lag ein schöner dunkler Lindengang,
welcher blühte und den süßesten Duft verbreitete. Sie ging hinein, er folgte ihr
schüchtern, er gab ihr die Blumen zurück, und erzählte ihr wer er sei. Da umfing
sie ihn mit ihren zarten Armen, da kam der Mond mit seinem Glanze näher, und
schien ihnen beiden hell ins Angesicht, sie gestanden sich ihre Liebe, sie waren
unaussprechlich glücklich. - Diesen Traum setzte Franz fort, die frühsten
Erinnerungen aus seinen Kinderjahren kamen zurück, alle schönen Empfindungen,
die er einst gekannt hatte, zogen wieder an ihm vorüber und begrüßten ihn. So
ist der Schlaf oft ein Ausruhen in einer schöneren Welt; wenn die Seele sich von
diesem Schauplatz hinwegwendet, so eilt sie nach
