« sagte Marie mit einem holdseligen Erröten. »Ich
begreife es ewig nicht, aber Ihr seid mir wie ein längstgekannter Freund, Ihr
seid mir nicht fremde.«
    »Ist unsre eigne Seele, ist unser Herz uns fremd?« rief Sternbald aus.
»Nein, von diesem Augenblicke an erst beginnt mein Leben, oh, es ist so
wunderbar und doch so wahr. Warum wollen wir's begreifen? - Seid Ihr glücklich?
- Bist du meine süße Geliebte? Bin ich der, den du suchtest? Findest du mich
gern wieder?«
    Sie gab ihm beschämt die Hand und drückte sie. Der alte Mann kam zurück, und
meldete, dass er ausgehn müsse, Franz betrachtete ihn mit Erstaunen, er erriet,
dass es derselbe sein müsse, der musiziert habe, den er schon in der Kindheit auf
dem grünen Rasenplatze gesehen. Die Bäume rauschten draußen so wunderbar, er
hörte aus der Ferne das Geräusch auf der Landstraße, jedes andre Leben erschien
ihm traurig, nur sein Dasein war das freudigste und glorreichste.
    Er ging, weil er die Rückkehr der Mutter nicht erwarten wollte, er
versprach, seine Geliebte am folgenden Tage zu besuchen.
    Durchs Feld schweifte er umher, er sah noch immer sie, den Garten, ihr
Zimmer vor sich. Er war in der Stadt, und konnte sich nicht besinnen, welchen
Weg er gekommen war. In seiner Stube nahm er seine Zither und küsste sie, er
griff in die Töne hinein, und Liebe und Entzücken antwortete ihm in der Sprache
der Musik. In der ganzen Natur vernahm er Gruß und Glückwunsch. Er wollte seinem
Sebastian schreiben, aber er konnte nicht zur Ruhe kommen. Er fing an, aber
seine Gedanken verließen ihn, er schrieb folgendes nieder:
Sanft umfangen
Vom Verlangen,
Abendwolken ziehen,
Oh, gegrüßt sei holdes Glücke,
Endlich, endlich meinem Blicke,
Längst gepflanzte Blumen blühn.
Abendröte winkt herunter:
Hoffe auf den Morgen munter;
Winde eilen, verkünden's der Ferne,
Blicken auf mich nieder die freundlichen Sterne.
Keiner, der nicht grüßend niederschaute:
Ist es, singen sie, dir gelungen?
Welche Töne rühren sich in der Laute,
Von unsichtbarer Geisterhand durchklungen?
Von selbst erregt sie sich zum Spiele,
Will ihre Worte gern verkünden,
Kennst du, Vertraute, die Gefühle,
Die quälend, beglückend mein Herz entzünden?
O töne, ich kann das Lied nicht finden,
Das Leid, das Glück, das mich bewegt,
Und Klang und Lust in mir erregt.
Will ich von Glück, von Freude singen,
Von alten, wonnevollen Stunden?
Es ist nicht da und fern verschwunden,
Mein Geist von Entzücken festgebunden,
Beengt, beschränkt die goldnen Schwingen
