 in das Getümmel des Marktes verlor.
    Er stand im Gedränge still, und ihm fiel bei, dass vielleicht keiner von den
hier bewegten unzähligen Menschen seine Gedanken und seine Empfindungen kenne,
dass er schon oft selbst ohne Arg herumgewandert sei, dass er auch vielleicht in
wenigen Tagen alles vergessen habe, was ihn jetzt erschüttre, und er sich dann
wohl wieder klüger und besser als jetzt vorkomme. Wenn er so in sein bewegtes
Gemüt sah, so war es, als wenn er in einen unergründlichen Strudel hinabschaute,
wo Woge Woge drängt und schäumt, und man doch keine Welle sondern kann, wo alle
Fluten sich verwirren und trennen, und immer wieder durcheinanderwirbeln, ohne
Stillstand, ohne Ruhe, wo dieselbe Melodie sich immer wiederholt, und doch immer
neue Abwechselung ertönt: kein Stillstand, keine Bewegung, ein rauschendes,
tosendes Rätsel, eine endlose, endlose Wut des erzürnten, stürzenden Elements.
    Käufer und Verkäufer schrien und lärmten durcheinander, Fremde, die sich
zurechtfragten, Wagen, die sich gewaltsam Platz machten. Alle Arten von Esswaren
umher gelagert, Kinder und Greise im Gewühl, alle Stimmen und Zungen zum
verwirrten Unisono vereinigt. Nach der andern Seite drängte sich das Volk voll
Neugier, und Franz ward von dem ungestümen Strome mit ergriffen und fortgezogen,
er bemerkte es kaum, dass er von der Stelle kam.
    Als er näher stand, hörte er durch das Geräusch der Stimmen, durch die
öftere Unterbrechung, Fragen, Antworten und Verwunderung folgendes Lied singen:
»Wie über Matten
Die Wolke zieht,
So auch der Schatten
Vom Leben flieht.
Die Jahre eilen
Kein Stillestand,
Und kein Verweilen,
Sie hält kein Band.
Nur Freude kettet
Das Leben hier,
Der Frohe rettet
Die Zeiten schier.
Ihm sind die Stunden
Was Jahre sind,
Sind nicht verschwunden
Wer so gesinnt.
Ihm sind die Küsse
Der goldne Wein
Noch mal so süße
Im Sonnenschein.
Ihm naht kein Schatten
Vergänglichkeit,
Für ihn begatten
Sich Freud und Zeit.
Drum nehmt die Freude
Und sperrt sie ein,
Dann müsst ihr beide
Unsterblich sein.«
Es war ein Mädchen, die dieses Lied absang, indem kam Franz durch eine
unvermutete Wendung dicht an die Sängerin zu stehen, das Gedränge presste ihn an
sie, und indem er sie genau betrachtete, glaubte er Ludovico zu erkennen. Jetzt
hatte ihn der Strom von Menschen wieder entfernt, und er konnte daher seiner
Sache nicht gewiss sein, ein Leierkasten fiel ihm mit seinen schwerfälligen Tönen
in die Ohren, und eine andre Stimme sang:
»Aus Wolken kommt die frohe Stunde,
O Mensch gesunde,
Lass Leiden sein und Bangigkeit
Wenn Liebchens Kuss dein Herz erfreut.
In Küssen webt ein Zaubersegen,
Drum sei verwegen,
Was schadet's, wenn der
