 Bach:
Tun als wäre der Frühling vergangen,
Doch bringen sie sie nur gefangen,
Wird Frühling aus dem Herbst alsbald,
Herrscht über uns kein Winter kalt.
Ach! ihr findet sie nicht, ihr findet sie nicht,
Habt kein Auge, die Schönste zu suchen,
Euch mangelt der Liebe Augenlicht,
Ihr ermüdet über dem Suchen.
Treibt wie Blumen die Sache als fröhlichen Scherz,
Ach! nehmt mein Herz,
Damit nach dem holden Engelskinde
Der Frühling den Weg gewisslich finde.
Und habt ihr Kinder entdeckt die Spur,
Oh, so hört, oh, so hört mein ängstlich Flehn,
Müsst nicht zu tief in die Augen ihr sehen,
Ihre Blicke bezaubern, verblenden euch nur.
Kein Wesen vor ihr besteht,
All's in Liebe vergeht,
Mag nichts anders mehr sein
Als ihre Lieb allein.
Bedenkt, dass Frühling und Blumenglanz
Wo ihr Fuß wandelt, immer schon ist,
Kommt zu mir zurück mit leichtem Tanz,
Dass Frühling und Nachtgall doch um mich ist;
Muss dann spät und früh
Mich behelfen ohne sie,
Mit bittersüssen Liebestränen
Mich einsam nach der Schönsten sehnen.
Aber bleibt, aber bleibt nur wo ihr seid,
Mag euch auch ohne sie nicht wiedersehen,
Blumen und Frühlingston wird Herzeleid,
Will indes hier im bittersten Tode vergehen.
Mich selber zu strafen,
Im Grabe tief schlafen,
Fern von Lied, fern von Sonnenschein
Lieber gar ein Toter sein.
Ach! es bricht in der Sehnsucht schon
Heimlich mein Herz in der treusten Brust,
Hat die Treu so schwer bitteren Lohn?
Bin keiner Sünde mir innig bewusst.
Muss die Liebste alles erfreun,
Mir nur die quälendste Pein?
Treulose Hoffnung, du lächelst mich an:
Nein, ich bin ein verlorner Mann!«
Es war lieblich, wie die Gebüsche umher von diesen Tönen gleichsam erregt
wurden, einige verspäteten Vögel erinnerten sich ihrer Frühlingslieder, und
wiederholten sie jetzt wie in einer schönen Schläfrigkeit. Roderigo war durch
seinen Freund beherzt geworden, er erzählte nun auch sein Abenteuer mit der
schönen Gräfin, und seine Freunde hörten ihn die Geschichte gern noch einmal
erzählen. »Und nun, was soll ich euch sagen?« so schloss Roderigo, »ich habe sie
verlassen, und denke jetzt nichts, als sie; immer sehe ich sie vor meinen Augen
schweben, und ich weiß mich in mancher Stunde vor peinigender Angst nicht zu
lassen. Ihr edler Anstand, ihr munteres Auge, ihr braunes Haar, alles, alle ihre
Züge sah ich in meiner Einbildung. So oft bin ich in den Nächten unter dem
hellgestirnten Himmel gewandelt, von meinem Glücke voll, zauberte ich mir dann
ihre Gestalt vor meine Augen, und es war mir dann, als wenn die Sterne noch
heller funkelten,
