 empfand ich die ersten Jugendgefühle wieder, es
war mir wieder, als wenn ich mit dem ersten Mädchen spräche, da mir die andern
alle als meinesgleichen vorkommen. Es ist ein Zug zwischen den glatten schönen
Augenbraunen, der die Phantasie in Ehrfurcht hält, und doch stehen die Braunen,
die langen Wimpern wie goldene Netze des Liebesgottes da, um alle Seele, alle
Wünsche, alle fremde Augen wegzufangen. Hat man sie einmal gesehen, so sieht man
keinem andern Mädchen mehr nach, kein Blick, kein verstohlenes Lächeln lockt
dich mehr, sie wohnt mir aller ihrer Holdseligkeit in deiner Brust, dein Herz
ist wie eine treibende Feder, die dich ihr, nur ihr durch alle Gassen, durch
alle Gärten nachdrängt; und wenn dann ihr himmelsüsser Blick dich nur im
Vorübergehn streift, so zittert die Seele in dir, so schwindelt dein Auge von
dem Blick in das rote Lächeln der Lippen hinunter, in die Lieblichkeit der
Wangen verirrt, gern und ungern auf dem schönsten Busen festgehalten, den du nur
erraten darfst. O Himmel, gib mir nur dies Mädchen in meine Arme, und ich will
deine ganze übrige Welt, mir allem, allem was sie Köstliches hat, ohne Neid
jedem andern überlassen!«
    »Du schwärmst«, sagte Roderigo, »in dieser Sprache habe ich dich noch
niemals sprechen hören.«
    »Ich habe die Sprache noch nicht gekannt«, fuhr Ludovico fort, »ich habe
noch nichts gekannt, ich bin bis dahin taub und blind gewesen. Was fehlt uns
hier, als dass Rudolph nur noch ein Lied sänge? Eins von jenen leichten,
scherzenden Liedern, die die Erde nicht berühren, die mit luftigem Schritt über
den goldenen Fußboden des Abendrots gehen, und von dort in die Welt hineingrüssen.
Lass einmal alle Liebe, die du je empfandest, in deinem Herzen aufzittern, und
dann sprich die Rätselsprache, die nur der Eingeweihte versteht.«
    »So gut ich kann, will ich Euch dienen«, sagte Rudolph, »mir fällt soeben
ein Lied von der Sehnsucht ein, das Euch vielleicht gefallen wird.
Warum die Blume das Köpfchen senkt,
Warum die Rosen so blass?
Ach! die Träne am Blatt der Lilie hängt,
Vergangen das schön frische Gras.
Die Blumen erbleichen,
Die Farben entweichen,
Denn sie, denn sie ist weit
Die allerholdseligste Maid.
Keine Anmut auf dem Feld,
Keine süße Blüte am Baume mehr,
Die Farben, die Töne durchstreifen die Welt
Und suchen die Schönste weit umher.
Unser Tal ist leer
Bis zur Wiederkehr,
Ach! bringt sie gefesselt in Schöne
Zurücke ihr Farben, ihr Töne.
Regenbogen leuchtet voran
Und Blumen folgen ihm nach,
Nachtgall singt auf der Bahn,
Rieselt der silberne
