 rief er endlich aus, »kann seine frohe Laune verbürgen, es
kommen Augenblicke und Empfindungen, die ihn wie in einem Kerker verschließen,
und ihn nicht wieder freigeben wollen. Ich denke eben daran, wie ohne Not und
ohne Zweck ich mich hier herumtreibe, und indessen das vernachlässige, was doch
das einzige Glück in der Welt ist. Wahrlich, ich könnte in manchen Augenblicken
so schwermütig sein, dass ich weinte, oder tiefsinnige Elegien niederschriebe,
dass ich auf meinen Instrumenten Töne hervorsuchte, die in Steine und Felsen
Mitleiden hineinzwängen. Oh, mein Freund, wir wollen uns nicht mit unnützem Gram
den gegenwärtigen Augenblick verkümmern, diese Gegenwart, in der wir jetzt sind,
kommt nicht zum zweiten Male wieder, mag doch ein jeder Tag für das Seine
sorgen.«
    Es wurde Abend, ein schöner Himmel erglänzte mit seinen wunderbaren,
buntgefärbten Wolkenbildern über ihnen. »Sieh«, fuhr Rudolph fort, »wenn ihr
Maler mir dergleichen darstellen könntet, so wollte ich euch oft eure
beweglichen Historien, eure leidenschaftlichen und verwirrten Darstellungen mit
allen unzähligen Figuren erlassen. Meine Seele sollte sich an diesen grellen
Farben ohne Zusammenhang, an diesen mit Gold ausgelegten Luftbildern ergötzen
und genügen, ich würde da Handlung, Leidenschaft, Komposition und alles gern
vermissen, wenn ihr mir, wie die gütige Natur heute tut, so mit rosenrotem
Schlüssel die Heimat aufschließen könntet, wo die Ahndungen der Kindheit wohnen,
das glänzende Land, wo in dem grünen, azurnen Meere die goldensten Träume
schwimmen, wo Lichtgestalten zwischen feurigen Blumen gehen und uns die Hände
reichen, die wir an unser Herz drücken möchten. Oh, mein Freund, wenn ihr doch
diese wunderliche Musik, die der Himmel heute dichtet, in eure Malerei
hineinlocken könntet! Aber euch fehlen Farben, und Bedeutung im gewöhnlichen
Sinne ist leider eine Bedingung eurer Kunst.«
    »Ich verstehe, wie du es meinst«, sagte Sternbald, »und die freundlichen
Himmelslichter entwanken und entfliehen, indem wir sprechen. Wenn du auf der
Harfe musizierst, und mit den Fingern die Töne suchst, die mit deinen Phantasien
verbrüdert sind, so dass beide sich gegenseitig erkennen, und nun Töne und
Phantasie in der Umarmung gleichsam entzückt immer höher, immer mehr himmelwärts
jauchzen, so hast du mir schon oft gesagt, dass die Musik die erste, die
unmittelbarste, die kühnste von allen Künsten sei, dass sie einzig das Herz habe,
das auszusprechen, was man ihr anvertraut, da die übrigen ihren Auftrag immer
nur halb ausrichten, und das Beste verschweigen: ich habe dir so oft recht geben
müssen, aber, mein Freund, ich glaube darum doch, dass sich Musik, Poesie und
Malerei oft die Hand bieten, ja dass sie oft ein
