 der schönen
Traurigkeit zu legen, und erzählte von jenem verkleideten Mönche, den er neulich
diesem Gebiete ganz nahe gesehen habe, und der dem Ritter des Bildes so
auffallend ähnlich sehe. »Er muss es sein«, so schloss er; »und was anders sollte
ihn wohl hiehergetrieben haben, als die nämliche Sehnsucht, die neue Kraft der
Liebe, die auch in ihm durch die Schrecken der Ferne wieder aufgegangen ist? Ja,
jenes Lied hat Euch prophetisch geantwortet:
Treulieb ist nimmer weit,
Ihr Gang durch Einsamkeit
Ist dir, nur dir geweiht.«
»Es sei, ich glaube daran«, rief sie aus, »ich nehme das liebe Kind Hoffnung von
neuem in meine Arme. O welchen Trost habt Ihr mir aus der Ferne herübergebracht!
So sandte der Himmel frommen Einsiedlern Brot in die Wüste durch das Geflügel
der Luft. Ja, wie ein Engel seid Ihr mit dieser Friedensbotschaft in mein
verwaistes Haus getreten. O Waldrevier! O grüner Rasenplatz! O Felsenbach! hört
ihr es wohl? Er ist wieder in eurer Nähe! Singt nun, Nachtigallen, mit doppler
Macht, schlage du Herz nun freudiger fort!«
    Sie lehnte sich, in sich hineinlächelnd, an den Baumstamm, und sang dann mit
lauter Stimme:
»Was halt ich hier in meinem Arm?
Was lächelt mich an so hold und warm?
Es ist der Knabe, die Liebe!
Ich wieg ihn und schaukl' ihn auf Knie und Schoss,
Wie hat er die Augen so hell und groß!
O himmlische, himmlische Liebe!
Der Junge hat schön krausgoldenes Haar,
Den Mund wie Rosen hell und klar,
Wie Blumen die liebliche Wange;
Sein Blick ist Wonne und Himmel sein Kuss,
Red und Gelach Paradiesesfluss,
Wie Engel die Stimm im Gesange.
Und liebst du mich denn? - Da küsst er ein Ja!
Und wie ich ihm tief in die Augen nun sah,
Da schlägt er mir grimmige Schmerzen;
O böses Kind! ei wie tückisch du!
Wo ist deine Milde, die liebliche Ruh?
Wo deine Sanftmut, dein Scherzen?
Da geht ein süß Lächeln ihm übers Gesicht:
Ich liebe dich nicht! ich liebe dich nicht!
Da setz ich ihn nieder zu Füßen.
O weh mir! so ruft nun und weinet das Kind,
Du Böse, o nimm mich auf geschwind,
Ich will, ich muss dich küssen.
Ich heb ihn empor, er schreiet nur fort,
Er hört auf kein liebkosendes Wort,
Er spreitelt mit Beinen und Händen:
Mich ängstiget und betäubt sein Geschrei,
Mich rühren die rollenden Tränen dabei,
Er will die Unart nicht enden.
Und größer die Angst, und größer die Not,
Ich wünsche mir selbst und
