 hat mich der holdseligste
Garten mit Blumen, Bäumen, rauschenden Brunnen, Frühlingsschein und Stern- und
Mondglanz in Empfang genommen. O wie süß war mein Traumspiel, das jetzt mein
Leben geworden war! die ganze Welt war in rührende Zärtlichkeit aufgelöst.
    Welch Entzücken durchströmte meine Seele, als ich es fühlte, wie unsre
Sehnsucht sich begegnete, als er mir in einsamer Stunde seine Liebe gestand, als
er beschämt erzählte, wie sehr er gestrebt habe mir auszuweichen und sich mir zu
entfremden, weil er arm und ohne Güter sei: welch seliges Gefühl, mich und alles
was ich besaß vor ihn als sein Eigentum hinzuwerfen! Aber wie gefährlich ist das
Wort der Lippe, wie unverstanden und rätselhaft der Ton Liebe, und wie seltsam
zauberisch in seinen Wirkungen, dass es schien, als rinne der Quell der Wonne
schwächer in uns, seit wir jenen Laut gesprochen, als falle ein langsamer Tod
auf alle Blüten unsers reichen Innern. Ich sah es, wie er sich verzehrte, eine
trostlose Bangigkeit wühlte in meinem Herzen. Oft blitzte noch wieder die alte
Sehnsucht, der Götterrausch auf, aber nur dunkler schien nachher der Kerker des
Innern. Wir sprachen Worte, die wir nicht verstanden, wir waren uns fern in der
nächsten Nähe: der Engel, der uns wie girrende junge Täubchen unter seine Flügel
genommen hatte, war wieder hinweggeflogen, und wir fühlten die kalte Trübsal der
Welt, die tote Einsamkeit selbst in Blick und Händedruck. Hier an dieser Stelle
sah ich ihn zum letztenmal, hier schien noch einmal sein kindliches, holdseliges
Lächeln mich an; einen Freund wollte er besuchen, so sprach sein Mund, und ich
habe ihn nicht wiedergesehn.
    O ihr neidischen Mächte! seitdem war er mir zurückgegeben. Die Kluft meiner
Seele fiel zu, die Ströme der Liebe brachen den starren Fels, und Wunderblumen
schauten wieder in die klaren Wellen, ganz, ganz war er wieder mein, der volle
Frühling wieder hereingewachsen, aber zugleich schritt nun der herbe Schmerz und
die Verzweiflung auf mich zu, dass er mir verloren sei, dass ich ihn vertrieben,
dass er wohl mir, ich aber nicht ihm gehöre, weil sein innres Licht vielleicht
noch von jener finsteren Decke verhüllt werde, die unsre Liebe zum Gespenst
gemacht hatte. Nun rief ich dem Echo, den Felsen und Wasserquellen; die
ziehenden Vögel und Wolken und meine schnelleren Liebesgedanken sandte ich ihm
nach. Ach! in seltenen lieben Augenblicken war es, als kehrten seine Wünsche aus
der Ferne gastlich bei mir ein, dann ist eine Seligkeit in meinen fließenden
Tränen, wie ich sie eben jetzt empfinde.«
    Sternbald war hingerissen, erstaunt und gerührt, er suchte die
einschmeichelndsten, lindesten Worte, und sie wie Blumen um das Herz
