 aus. O teurer
Sebastian, oft dicht vor unsern Füßen liegt dieses wundervolle Land, nach dem
wir jenseit des Ozeans und jenseit der Sündflut mit sehnsüchtigen Augen suchen.
Es ist nur das, dass wir nicht redlich mit uns selber umgehen. Warum ängstigen
wir uns in unsern Verhältnissen so ab, um nur das bisschen Brot zu haben, das wir
darüber selber nicht einmal in Ruhe verzehren können? Warum treten wir denn
nicht manchmal aus uns heraus und schütteln alles das ab, was uns quält und
drückt, und holen darüber frischen Atem, und fühlen die himmlische Freiheit, die
uns eigentlich angeboren ist? Dann müssen wir der Kriege und Schlachten, der
Zänkereien und Verleumdungen auf einige Zeit vergessen, alles hinter uns lassen
und die Augen davor zudrücken, dass es in dieser Welt so wild hergeht und sich
alles toll und verworren durcheinanderschiebt, damit irgendeinmal der himmlische
Friede eine Gelegenheit fände, sich auf uns herabzusenken und mit seinen süßen
lieblichen Flügeln zu umarmen. Aber wir wollen uns gern immer mehr in dem
Wirrwarr der gewöhnlichen Weltändel verstricken, wir ziehen selber einen Flor
über den Spiegel, der aus den Wolken herunterhängt, und in welchem Gottheit und
Natur uns ihre himmlischen Angesichter zeigen, damit wir nur die Eitelkeiten der
Welt desto wichtiger finden dürfen. So kann der Menschengeist sich nicht aus dem
Staube aufrichten und getrost zu den Sternen hinblicken und seine Verwandtschaft
zu ihnen empfinden. Er kann die Kunst nicht lieben, da er das nicht liebt, was
ihn von der Verworrenheit erlöst, denn mit diesem seligen Frieden ist die Kunst
verwandt. Du glaubst nicht, wie gern ich jetzt etwas malen möchte, was so ganz
den Zustand meiner Seele ausdrückte, und ihn auch bei andern wecken könnte.
Ruhige fromme Herden, alte Hirten im Glanz der Abendsonne, und Engel die in der
Ferne durch, Kornfelder gehen, um ihnen die Geburt des Herrn, des Erlösers, des
Friedefürsten zu verkündigen. Kein wildes Erstarren, keine erschreckten
durcheinandergeworfenen Figuren, sondern mit freudiger Sehnsucht müssten sie nach
den Himmlischen hinschauen, die Kindlein müssten mit ihren zarten Händlein nach
den goldnen Strahlen hindeuten, die von den Botschaftern ausströmten. Jeder
Anschauer müsste sich in das Bild hineinwünschen und seine Prozesse und Plane,
seine Weisheit und seine politischen Konnexionen auf ein Viertelstündchen
vergessen, und ihm würde dann vielleicht so sein, wie mir jetzt ist, indem ich
dieses schreibe und denke. Lass Dich manchmal, lieber Sebastian, von der guten
freundlichen Natur anwehen, wenn es Dir in Deiner Brust zu enge wird, schau auf
die Menschen je zuweilen hin, die im Strudel des Lebens am wenigsten bemerkt
werden, und heiße die süße Frömmigkeit willkommen, die unter alten Eichen beim
Schein der Abendsonne, wenn Heimchen zwitschern und Feldtauben girren,
