 Tagen war er fast ganz hergestellt. Er wusste nicht,
wie er unserm Freunde genug danken sollte.
    Es waren jetzt die letzten Tage des Februars, und die erste Sonnenwärme
brach durch die neblichte Luft. Franz und Rudolph machten sich auf die Reise.
Ehe sie Antwerpen verließen, erhielt Franz von Vansen ein ansehnliches Geschenk;
der Kaufmann liebte den jungen Maler zärtlich. Sternbald und Florestan hatten
jetzt schon die Tore der Stadt weit hinter sich, sie hörten die Glocken aus der
Ferne schlagen, und Rudolph sang mit lauter Stimme:
»Wohlauf! es ruft der Sonnenschein
Hinaus in Gottes freie Welt!
Geht munter in das Land hinein
Und wandelt über Berg und Feld!
Es bleibt der Strom nicht ruhig stehen,
Gar lustig rauscht er fort;
Hörst du des Windes muntres Wehn?
Er braust von Ort zu Ort.
Es reist der Mond wohl hin und her,
Die Sonne ab und auf,
Guckt überen Berg und geht ins Meer,
Nie matt in ihrem Lauf.
Und, Mensch, du sitzest stets daheim,
Und sehnst dich nach der Fern:
Sei frisch und wandle durch den Hain,
Und sieh die Fremde gern.
Wer weiß, wo dir dein Glücke blüht,
So geh und such es nur,
Der Abend kommt, der Morgen flieht,
Betrete bald die Spur.
Lass Sorgen sein und Bangigkeit,
Ist doch der Himmel blau,
Es wechselt Freude stets mit Leid,
Dem Glücke nur vertrau.
So weit dich schließt der Himmel ein,
Gerät der Liebe Frucht,
Und jedes Herz wird glücklich sein,
Und finden was es sucht.«
 
                                  Drittes Buch
                                  Erstes Kapitel
O Jugend! du lieber Frühling, der du so sonnenbeschienen vorn im Anfange des
Lebens liegst! wo mit zarten Äugelein die Blumen umher, des Waldes neugrüne
Blätter, wie mit fröhlicher Stimme dir winken, dir zujauchzen! Du bist das
Paradies, das jeder der spätgebornen Menschen betritt, und das für jeden immer
wieder von neuem verlorengeht.
    Gefilde voll Seligkeit! überhangend von Blüten, durchirrt von Tönen!
Sehnsucht weht und spielt in deinen süßen Hainen. Vergangenheit so golden,
Zukunft so wunderbar: wie mit dem Sirenengesange der Nachtigall lockt es von
dorther; mondliche Schimmer breiten sich auf dem Wege aus, liebliche Düfte
ziehen aus dem Tale herauf, vom Berge nieder der Silberquell. O Jüngling, in dir
glänzt Morgenröte, sie rückt mit ihren Strahlen und wunderglänzenden
Wolkenbildern herauf: dann folgt der Tag, bis auf die Spur sogar verfliesst die
himmlische Sehnsucht; alle Liebesengel ziehen fort, und du bist mit dir allein.
War alles nur Dunst und bunter Schatten, wonach du brünstig die Arme
strecktest? -
Aus Wolken winken Hände,
An jedem Finger rote Rosen,
Sie winken dir mit schmeichlerischem Kosen,
