 und sah nach der Gegend hin, wo Nürnberg lag.
»Dich sollt ich vergessen?« rief er aus, »dich sollt ich weniger lieben? O mein
liebster Sebastian, was wäre dann aus meinem Herzen geworden? Wie glücklich fühl
ich mich darin, dass ich ein Deutscher, dass ich dein und Albrechts Freund bin!
ach! wenn ihr mich nur nicht verstosst, weil ich eurer unwert bin.«
    Er legte sich nieder, verrichtete sein Abendgebet und schlief dann
beruhigter ein.
 
                                Drittes Kapitel
Am Morgen weckte ihn das muntere Girren der Tauben vor seinem Fenster, die
manchmal in seine Stube hineinsahn und mit den Flügeln schlugen, dann wieder
wegflogen und bald wiederkamen, um mit dem Halse nickend vor ihm auf und nieder
zu gehen. Durch einige Lindenbäume warf die Sonne schräge Strahlen in sein
Gemach und Franz stand auf und kleidete sich hurtig an; er sah mit festen Augen
durch den reinen blauen Himmel und alle seine Plane wurden lebendiger in ihm,
sein Herz schlug höher, alle Gefühle seiner Brust erklangen geläuterter. Er
hätte jetzt mit der Farbenpalette vor einer großen Tafel stehen mögen und er
hätte dreist die kühnen Figuren hingezeichnet, die sich in seiner Brust
bewegten. Der frische Morgen gibt dem Künstler Stärkung und in den Strahlen des
Frührots regnet Begeisterung auf ihn herab: der Abend löst und schmelzt seine
Gefühle, er weckt Ahndungen und unerklärliche Wünsche in ihm auf, der Gerührte
fühlt dann näher, dass jenseit dieses Lebens ein andres kunstreicheres liege, und
sein inwendiger Genius schlägt oft vor Sehnsucht mit den Flügeln, um sich frei
zu machen und hineinzuschwärmen in das Land, das hinter den goldnen Abendwolken
liegt.
    Franz sang ein Morgenlied und fühlte keine Müdigkeit vom gestrigen Wege
mehr, er setzte mit frischen Kräften seine Reise fort. Das rege Geflügel sang
aus allen Gebüschen, das betaute Gras duftete und alle Blätter funkelten wie
Kristall. Er ging mit schnellen Schritten über eine schöne Wiese, und das
Geschmetter der Lerchen zog über ihn hinweg, ihm war fast noch nie so wohl
gewesen.
    »Das Reisen«, sagte er zu sich selber, »ist ein herrlicher Zustand, diese
Freiheit der Natur, diese Regsamkeit aller Kreaturen, der reine weite Himmel und
der Menschengeist, der alles dies zusammenfassen und in einen Gedanken
zusammenstellen kann: - o glücklich ist der, der bald die enge Heimat verlässt,
um wie der Vogel seinen Fittich zu prüfen und sich auf unbekannten, schöneren
Zweigen zu schaukeln. Welche Welten entwickeln sich im Gemüte, wenn die freie
Natur umher mit kühner Sprache in uns hineinredet, wenn jeder ihrer Töne unser
Herz trifft und alle Empfindungen zugleich anrührt. Ja, ich glaube, dass ich
einst ein guter Maler sein werde, da mein ganzer Sinn sich so
