 und meine Wärterinnen erzählten mir immer, dass ich von
den ersten Kinderjahren an, eine solche Freude an Blumen zeigte, dass ich mitten
in dem stärksten Weinen und Weh, auf dargereichte Blumen lächelte, in dem
Blumengarten alles andre vergaß, und nie glücklicher war, als wenn ich mit
meiner Puppe, zwischen den hohen Büschen der Gicht-Rosen spielen, und sie dort
neben mich setzen konnte. - Sie sehen hierin, setzte sie lächelnd hinzu, die
Ursache, warum mein liebreicher Wattines mit so vieler Sorgfalt Gichtrosen um
meine Ruhebank pflanzte. - Ich war so Blumen gierig, dass man hätte den Garten
verwüsten müssen, um mich zu befriedigen, und die Mägde brachten mich nach den
Wiesen, wo sie meine Ärmel, mein Brust stück und Schürze mit Blumen besetzen
mussten. - Dieser Geschmack blieb mächtig in mir, denn die wildwachsenden Blumen
der Insel, und die, welche mein Karl für mich erzog, gossen immer durch die
Anmut ihrer Gestalt und ihrer Bewegung, durch ihre stille bescheidne
Verschönerung der Erde und in der Luft verbreitete Wohlgerüche, bei jedem blicke
auf sie Besänftigung in mein Herz, und Erquickung in meine Brust. Tausendmal
sagte ich mir in unserer Einsamkeit auf der Insel: Gott legte dieses lebhaft
wirkende Gefühl für die Schönheit der Pflanzenwelt von Jugend auf in deine
Seele, weil er vorhersah, dass ich einst alle andre Freuden des Lebens, alles was
Gesellschaft der Menschen geben kann, verlieren, und in dem stillen, süßen
Genuße dieser Geschöpfe, einen Ersatz finden würde. - Verzeihen Sie mir jetzo
nicht einen Teil, der künftiges Weh ahnenden Sorge, für die erwachsenen Jahre
meines Sohnes, wenn ich in seinen kindlichen Tagen, das ganze Bild der meinigen
erneuert vor mir sehe?
    Sehr gerne, antwortete ich, versprechen Sie mir nur, bei diesem zufälligen
Auffinden von Karmils Ähnlichkeit mit ihrer Blumenliebe, auch an ähnliche Züge
des heroischen Geistes seiner Eltern, an die in ihm vereinten moralischen
Gefühle, und die im Ganzen abgeänderte Lage zu denken. Sie haben in einem Sturme
alle Ihre Glücksgüter verloren, aber ihr aus doppelten Ursachen unschätzbares
Leben wundervoll gerettet. Dies, was Sie beide am meisten liebten, Tugend und
Kenntnisse wurden mit Ihnen geborgen: bedenken Sie, was diese hohen Kräfte edler
Seelen für Sie bewirkten, und für Ihre Kinder tun werden, und genießen Sie die
Freude ungetrübt; sich zu sagen: dass gewiss kein menschliches Wesen unter einem
günstigern Einfluss entstand, als Ihr Karmil. - In den Armen der reinen Natur,
unter dem Schutze ausübender Tugend, als Frucht der schönsten Liebe! - Alles in
ihm verkündet Morgenröte eines von Gott bezeichneten heitern Tages. Er wird,
wie sein würdiger Vater, Blumen und Bäume pflanzen; wie seine verehrungswerte
Mutter,
