 geht mir so wunderlich
durch den Kopf - durch das Herz, wollt ich sagen - dass ich gar nicht weiß, wovon
ich reden will und soll. Ja, das war es!
    Warum mussten wir den stillen, ruhigen Aufenthalt meiner glücklichen Kindheit
verlassen? warum die hohen Felsen, die sprudelnden Quellen, die blühenden Täler
mit ihren guten freundlichen Bewohnern, den rauschenden Strom, den dunkeln
Eichenwald - die Wiege Ihres Schülers, verlassen? Nun dringt mein trauriger,
gebeugter Geist immer dahin; wir sitzen unweit des Stroms auf einer Anhöhe - die
kühle Abendluft umsäuselt uns - wir sehen die untergehende Sonne auf goldnen
Wolken ruhen - ihr Glanz verklärt Ihr Angesicht, und Ihre Gedanken bei diesem
Schauspiele, die alle Keime meines innern Wesens entfalteten, steigen wieder in
meinem Herzen auf. Ich fühle dann die Luft, die dort wehte, an meinen Wangen;
ich höre das Säuseln der Bäume - die Schalmei unsrer Hirten - den Gesang, das
frohe Gelächter unsrer Mädchen - und alles, was ich dachte und fühlte, steigt in
meinem Busen lebendig auf. - Und erwache ich aus diesen süßen Träumen, so frage
ich ängstlich: »Warum haben wir dieses verlassen? Darum, dass erfolge, was mir
widerfahren ist?« Mir antwortet keiner, lieber Hadem; und ich vermag es ja
nicht, da mir alles dunkel ist.
Ja dort, da kannte ich keinen Kummer, keine Veränderung; da stand der Tempel des
Glücks und der Freude auf jeder Stelle, denn das unschuldige Herz bauete ihn
überall auf. Wütete auch zuzeiten ein Sturm, so geschah es nur, die Gegend um
uns her erhaben-schauerlicher zu machen; und beleuchtete das Licht sie wieder,
so lag sie vor uns in neuer, erfrischter Herrlichkeit. Wir bebten staunend und
schaudernd bei den Blitzen, den Schlägen des Donners, bewunderten die Macht der
Natur in ihren großen, erschütternden Erscheinungen, und süße Freude
durchströmte uns, wenn wir nach der Gefahr die einsame Lilie unverletzt im Tale
wiederfanden. Erinnern Sie sich, wie ich Ihnen einmal kindisch sagte, als die
dicken Tropfen des nächtlichen Sturmregens von den noch leise schwankenden
Pappeln auf unsre Häupter fielen: »Hadem, die Pappeln weinen vor Freude, dass sie
den gewaltigen Sturm überstanden haben und noch grünen, noch leben.« Ich kann
dieses nicht von mir sagen - der Sturm, der mich überfiel, dauert fort - und
noch lebe ich - es ist der erste, Hadem, und ich bin noch zu jung. Noch hat die
Zeit den Stamm, auf dem mein Wipfel ruhen soll, nicht abgehärtet. Die Stütze,
deren ich bedarf, sank weg; mein Licht verschwand mir plötzlich und kehrt nicht
wieder. Vor meinen Augen liegt nun eine Dämmerung
