 das Vaterland
verraten hat, mit den Feinden im Bunde steht und kaum erwarten kann, bis sie da
sind? Aber lasst sie nur kommen! Ihr sollt wahrlich die Freude nicht lange
genießen, und es soll Euch zu nichts helfen, dass die, die alle umbringen, Euch
allein nicht umgebracht haben.«
    Ernst bebte und zitterte wie ein Verbrecher. Seine plötzlich blitzenden
Augen schossen gegen den Himmel, und ihre feurigen Strahlen schienen sich mit
den Blitzen, die jetzt die Wolken zerteilten, zu vermischen. Der Donner ertönte
- die Erde bewegte sich - die Wipfel der Bäume sausten - er stand da und
breitete die Arme gegen den Himmel aus, als forderte er Rettung, Vernichtung von
dem Sturme, der an dessen Gewölbe wütete. Sein Herz klopfte, seine Lippen, seine
Wangen waren totenbleich - Und als nun die Stille erfolgte und das finstre
Dunkel des Ungewitters sich mit dem Dunkel der Nacht vermischte, floh er nach
dem Eichenwalde. Bald goss es von dem Himmel - er rettete sich nach der Höhle -
Schauder des Todes hatten ihn ergriffen - die Worte des Rohen erschallten
fürchterlicher in seinen Ohren als das dumpfe Gebrüll des Donners in dem
Widerhall der Höhle - das schnelle Licht eines Blitzes fuhr durch die Spalten
der Felsen und erleuchtete ihr schwarzes Dunkel. - Er erblickte den Kranz in der
Blende - riss ihn herunter - und schleuderte ihn in den nahen Abgrund. Dann sank
er bei dem Abgrund ermattet nieder, und der Geist des Jünglings schwebte düster
trauernd über dem Abgrunde, der das Zeichen des Glaubens verschlungen hatte.
                                       5.
Morgens kam Ernst nach Hause. Der Kammerrat, welcher ihn die ganze Nacht unter
Todesangst gesucht hatte, vergaß seine Freude, ihn wiederzusehen, als er ihn
erblickte. Er sah jetzt aus wie damals, als er aus Amaliens Zimmer zu der Leiche
seines Sohnes zurückkehrte.
    Von diesem Augenblick an schien er nicht mehr zu leben; denn alles, was ihm
einst Leben gab, war durch seine letzte Tat, selbst mit der Hoffnung,
verschwunden, er sah nichts mehr, woran sein Geist sich hielt - das Zeichen
seines Glaubens mit aller seiner hohen Bedeutung war nicht mehr.
    So träumte er düster fort an seinem Grabe und vermied alle Menschen. Hörte
er eine Stimme oder das Gehen eines Menschen, so floh er in das dicke Gebüsch,
und da umsausten ihn immer die schrecklichen Worte des Unglücklichen.
    In diesem dunkeln Gebüsch vernahm er auf einmal die Stimme eines Menschen,
deren Laut durch sein Herz drang. Es war Hadem, von dem Kammerrat geführt. Ernst
sprang aus dem Gebüsche und eilte dieser Stimme entgegen. Er sah Hadem die Wiese
heraufwandeln wie den Priester des erhabenen Tempels, den die Natur um ihn her
aufgebauet hatte.
    Ernst eilte ihm
