 mir den
Krankenwärter und man sieht, wie wenig du dazu geboren bist. Das Stillesitzen
hat dich scheu gemacht -
    Siehst du? rief er, das ists eben. Werd ich tätiger leben mit euch? und wenn
es eine Andre wäre! aber diese Diotima! kann ich anders? kann ich sie mit halber
Seele fühlen? sie, die um und um so innig Eines ist, Ein göttlich ungeteiltes
Leben? Glaube mir, es ist ein kindischer Versuch, dies Wesen sehen zu wollen ohne
Liebe. Du blickst mich an, als kenntest du mich nicht? Bin ich doch selbst mir
fremd geworden, diese letzten Tage, seit ihr Wesen so lebendig ist in mir.
    O warum kann ich sie dir nicht schenken? rief ich.
    Lass das! sagt' er. Tröste mich nicht, denn hier ist nichts zu trösten. Ich
bin einsam, einsam, und mein Leben geht, wie eine Sanduhr, aus.
    Große Seele! rief ich, muss es dahin mit dir kommen?
    Sei zufrieden! sagt' er. Ich fing schon an zu welken, da wir in Smyrna uns
fanden. Ja! da ich noch ein Schiffsjung war und stark und schnell der Geist und
alle Glieder mir wurden bei rauer Kost, in mutiger Arbeit! Wenn ich da in
heiterer Luft nach einer Sturmnacht oben am Gipfel des Masts hing, unter der
wehenden Flagge, und dem Seegevögel nach hinaussah über die glänzende Tiefe,
wenn in der Schlacht oft unsre zornigen Schiffe die See durchwühlten, wie der
Zahn des Ebers die Erd und ich an meines Hauptmanns Seite stand mit hellem Blick
- da lebt ich, o da lebt ich! Und lange nachher, da der junge Tiniote mir nun am
Smyrner Strande begegnete, mit seinem Ernste, seiner Liebe, und meine verhärtete
Seele wieder aufgetaut war von den Blicken des Jünglings und lieben lernt' und
heilig halten alles, was zu gut ist, um beherrscht zu werden, da ich mit ihm ein
neues Leben begann, und neue seelenvollere Kräfte mir keimten zum Genuße der
Welt und zum Kampfe mit ihr, da hofft ich wieder - ach! und alles was ich hofft
und hatte, war an dich gekettet; ich riss dich an mich, wollte mit Gewalt dich in
mein Schicksal ziehen, verlor dich, fand dich wieder, unsre Freundschaft nur war
meine Welt, mein Wert, mein Ruhm; nun ists auch damit aus, auf immer und all
mein Dasein ist vergebens.
    Ist denn das wahr? erwidert ich mit Seufzen.
    Wahr, wie die Sonne, rief er, aber lass das gut sein! es ist für alles
gesorgt.
    Wie so, mein Alabanda? sagt ich.
    Lass mich dir erzählen, sagt' er
