 unsre Bäume rinnt,
und unser Haus umwallt und die lieblichen Zimmer, deine Schöpfung dir verschönt,
und du in ihrem Sonnenglanze gehst und mir den Tag in deiner Grazie segnest,
Liebe! wenn sich dann, indes wir so die Morgenwonne feiern, der Erde geschäftig
Leben, wie ein Opferbrand, vor unsern Augen entzündet, und wir nun hingehn, um
auch unser Tagwerk, um von uns auch einen Teil in die steigende Flamme zu
werfen, wirst du da nicht sagen, wir sind glücklich, wir sind wieder, wie die
alten Priester der Natur, die heiligen und frohen, die schon fromm gewesen, eh
ein Tempel stand.
    Hab ich genug gesagt? entscheide nun mein Schicksal, teures Mädchen, und
bald! - Es ist ein Glück, dass ich noch halb ein Kranker bin, von der letzten
Schlacht her, und dass ich noch aus meinem Dienste nicht entlassen bin; ich
könnte sonst nicht bleiben, ich müsste selbst fort, müsste fragen, und das wäre
nicht gut, das hieße dich bestürmen. -
    Ach Diotima! bange törichte Gedanken fallen mir aufs Herz und doch - ich
kann es nicht denken, dass auch diese Hoffnung scheitern soll.
    Bist du denn nicht zu groß geworden, um noch wiederzukehren zu dem Glück der
Erde? verzehrt die heftige Geistesflamme, die an deinem Leiden sich entzündete,
verzehrt sie nicht alles Sterbliche dir?
    Ich weiß es wohl, wer leicht sich mit der Welt entzweit, versöhnt auch
leichter sich mit ihr. Aber du, mit deiner Kinderstille, du, so glücklich einst
in deiner hohen Demut, Diotima! wer will dich versöhnen, wenn das Schicksal dich
empört?
    Liebes Leben! ist denn keine Heilkraft mehr für dich in mir? von allen
Herzenslauten ruft dich keiner mehr zurück, ins menschliche Leben, wo du einst
so lieblich mit gesenktem Fluge dich verweilt? o komm, o bleib in dieser
Dämmerung! Dies Schattenland ist ja das Element der Liebe und hier nur rinnt der
Wehmut stiller Tau vom Himmel deiner Augen.
    Und denkst du unsrer goldenen Tage nicht mehr? der holdseligen,
göttlichmelodischen? säuseln sie nicht aus allen Hainen von Kalaurea dich an?
    Und sieh! es ist so manches in mir untergegangen, und ich habe der
Hoffnungen nicht viele mehr. Dein Bild mit seinem Himmelssinne, hab ich noch,
wie einen Hausgott, aus dem Brande gerettet. Unser Leben, unsers ist noch
unverletzt in mir. Sollt ich nun hingehn und auch dies begraben? Soll ich
ruhelos und ohne Ziel hinaus, von einer Fremde in die andre? Hab ich darum
lieben gelernt?
    O nein! du Erste und du Letzte! Mein warst du, du wirst die Meine bleiben.
                             Hyperion an Bellarmin
Ich saß mit
