 ach! wie tausendmal undankbarer
an dir, du heilig Mädchen! das mich einst in seinen Frieden aufnahm, mich, ein
scheu zerrissnes Wesen, dem aus tiefgepresster Brust sich kaum ein Jugendschimmer
stahl, wie hie und da ein Grashalm auf zertretnen Wegen. Hattest du mich nicht
ins Leben gerufen? war ich nicht dein? wie konnt ich denn - o du weißt es, wie
ich hoffe, noch nicht, hast noch den Unglücksbrief nicht in den Händen, den ich
vor der letzten Schlacht dir schrieb? Da wollt ich sterben, Diotima, und ich
glaubt, ein heilig Werk zu tun. Aber wie kann das heilig sein, was Liebende
trennt? wie kann das heilig sein, was unsers Lebens frommes Glück zerrüttet? -
Diotima! schöngebornes Leben! ich bin dir jetzt dafür in deinem Eigensten um so
ähnlicher geworden, ich hab es endlich achten gelernt, ich hab es bewahren
gelernt, was gut und innig ist auf Erden. O wenn ich auch dort oben landen
könnte an den glänzenden Inseln des Himmels, fänd ich mehr, als ich bei Diotima
finde?
    Höre mich nun, Geliebte!
    In Griechenland ist meines Bleibens nicht mehr. Das weißt du. Bei seinem
Abschied hat mein Vater mir so viel von seinem Überflusse geschickt, als
hinreicht, in ein heilig Tal der Alpen oder Pyrenäen uns zu flüchten, und da ein
freundlich Haus und auch von grüner Erde so viel zu kaufen, als des Lebens
goldene Mittelmässigkeit bedarf.
    Willst du, so komm ich gleich und führ an treuem Arme dich und deine Mutter
und wir küssen Kalaureas Ufer und trocknen die Tränen uns ab, und eilen über den
Istmus hinein ans Adriatische Meer, von wo ein sicher Schiff uns weiter bringt.
    O komm! in den Tiefen der Gebirgswelt wird das Geheimnis unsers Herzens
ruhen, wie das Edelgestein im Schacht, im Schoße der himmelragenden Wälder, da
wird uns sein, wie unter den Säulen des innersten Tempels, wo die Götterlosen
nicht nahn, und wir werden sitzen am Quell, in seinem Spiegel unsre Welt
betrachten, den Himmel und Haus und Garten und uns. Oft werden wir in heiterer
Nacht im Schatten unsers Obstwalds wandeln und den Gott in uns, den liebenden,
belauschen, indes die Pflanze aus dem Mittagsschlummer ihr gesunken Haupt erhebt
und deiner Blumen stilles Leben sich erfrischt, wenn sie im Tau die zarten Arme
baden, und die Nachtluft kühlend sie umatmet und durchdringt, und über uns blüht
die Wiese des Himmels mit all ihren funkelnden Blumen und seitwärts ahmt das
Mondlicht hinter westlichem Gewölk den Niedergang des Sonnenjünglings, wie aus
Liebe schüchtern nach - und dann des Morgens, wenn sich, wie ein Flussbett unser
Tal mit warmem Lichte füllt, und still die goldne Flut durch
