 mir auch größer. Ein Wesen voll geheimer Gewalt, voll
tiefer unentwickelter Bedeutung, ein einzig hoffnungsvoller Jüngling schienst du
mir. Zu wem so laut das Schicksal spricht, der darf auch lauter sprechen mit dem
Schicksal, sagt ich mir; je unergründlicher er leidet, um so unergründlich
mächtiger ist er. Von dir, von dir nur hofft ich alle Genesung. Ich sah dich
reisen. Ich sah dich wirken. O der Verwandlung! Von dir gestiftet, grünte wieder
des Akademus Hain über den horchenden Schülern und heilige Gespräche hörte, wie
einst, der Ahorn des Ilissus wieder.
    Den Ernst der Alten gewann in deiner Schule der Genius unserer Jünglinge
bald, und seine vergänglichen Spiele wurden unsterblicher, denn er schämte sich,
hielt für Gefangenschaft den Schmetterlingsflug. -
    Dem hätt, ein Ross zu lenken, genügt; nun ist er ein Feldherr. Allzugenügsam
hätte der ein eitel Liedchen gesungen; nun ist er ein Künstler. Denn die Kräfte
der Helden, die Kräfte der Welt hattest du aufgetan vor ihnen in offenem Kampf;
die Rätsel deines Herzens hattest du ihnen zu lösen gegeben; so lernten die
Jünglinge Großes vereinen, lernten verstehen das Spiel der Natur, das
seelenvolle, und vergaßen den Scherz. - Hyperion! Hyperion! hast du nicht mich,
die Unmündige, zur Muse gemacht? So ergings auch den andern.
    Ach! nun verließen so leicht sich nicht die geselligen Menschen; wie der
Sand im Sturme der Wildnis irrten sie untereinander nicht mehr, noch höhnte sich
Jugend und Alter, noch fehlt' ein Gastfreund dem Fremden und die
Vaterlandsgenossen sonderten nimmer sich ab und die Liebenden entleideten alle
sich nimmer; an deinen Quellen, Natur, erfrischten sie sich, ach! an den
heiligen Freuden, die geheimnisvoll aus deiner Tiefe quillen und den Geist
erneun; und die Götter erheiterten wieder die verwelkliche Seele der Menschen;
es bewahrten die herzerhaltenden Götter jedes freundliche Bündnis unter ihnen.
Denn du, Hyperion! hattest deinen Griechen das Auge geheilt, dass sie das
Lebendige sahen, und die in ihnen, wie Feuer im Holze schlief, die Begeisterung
hattest du entzündet, dass sie fühlten die stille stete Begeisterung der Natur
und ihrer reinen Kinder. Ach! nun nahmen die Menschen die schöne Welt nicht
mehr, wie Laien des Künstlers Gedicht, wenn sie die Worte loben und den Nutzen
drin ersehn. Ein zauberisch Beispiel wurdest du, lebendige Natur! den Griechen,
und entzündet von der ewigjungen Götter Glück war alles Menschentun, wie einst,
ein Fest; und zu Taten geleitete, schöner als Kriegsmusik, die jungen Helden
Helios Licht.
    Stille! stille! Es war mein schönster Traum, mein erster und mein letzter.
Du bist zu stolz, dich mit dem bübisschen Geschlechte länger zu
