 waren bittere Tage. Ich habe den Schmerz
ertragen gelernt, aber für solch ein Scheiden hab ich keine Kraft in mir.
    Mit jedem Augenblicke, der uns der letzten Stunde näher brachte, wurd es
sichtbarer, wie dieser Mensch verwebt war in mein Wesen. Wie ein Sterbender den
fliehenden Otem, hielt ihn meine Seele.
    Am Grabe Homers brachten wir noch einige Tage zu, und Nio wurde mir die
heiligste unter den Inseln.
    Endlich rissen wir uns los. Mein Herz hatte sich müde gerungen. Ich war
ruhiger im letzten Augenblicke. Auf den Knieen lag ich vor ihm, umschloss ihn zum
letzten Male mit diesen Armen; gib mir einen Segen, mein Vater! rief ich leise
zu ihm hinauf, und er lächelte groß, und seine Stirne breitete vor den Sternen
des Morgens sich aus und sein Auge durchdrang die Räume des Himmels - Bewahrt
ihn mir, rief er, ihr Geister besserer Zeit! und zieht zu eurer Unsterblichkeit
ihn auf, und all ihr freundlichen Kräfte des Himmels und der Erde, seid mit ihm!
    Es ist ein Gott in uns, setzt' er ruhiger hinzu, der lenkt, wie Wasserbäche,
das Schicksal, und alle Dinge sind sein Element. Der sei vor allem mit dir!
    So schieden wir. Leb wohl, mein Bellarmin!
                             Hyperion an Bellarmin
Wohin könnt ich mir entfliehen, hätt ich nicht die lieben Tage meiner Jugend?
    Wie ein Geist, der keine Ruhe am Acheron findet, kehr ich zurück in die
verlassenen Gegenden meines Lebens. Alles altert und verjüngt sich wieder. Warum
sind wir ausgenommen vom schönen Kreislauf der Natur? Oder gilt er auch für uns?
    Ich wollt es glauben, wenn Eines nicht in uns wäre, das ungeheure Streben,
Alles zu sein, das, wie der Titan des Aetna, heraufzürnt aus den Tiefen unsers
Wesens.
    Und doch, wer wollt es nicht lieber in sich fühlen, wie ein siedend Öl, als
sich gestehen, er sei für die Geissel und fürs Joch geboren? Ein tobend
Schlachtross oder eine Mähre, die das Ohr hängt, was ist edler?
    Lieber! es war eine Zeit, da auch meine Brust an großen Hoffnungen sich
sonnte, da auch mir die Freude der Unsterblichkeit in allen Pulsen schlug, da
ich wandelt unter herrlichen Entwürfen, wie in weiter Wäldernacht, da ich
glücklich, wie die Fische des Ozeans, in meiner uferlosen Zukunft weiter, ewig
weiter drang.
    Wie mutig, selige Natur! entsprang der Jüngling deiner Wiege! wie freut' er
sich in seiner unversuchten Rüstung! Sein Bogen war gespannt und seine Pfeile
rauschten im Köcher, und die Unsterblichen, die hohen Geister des Altertums
führten ihn an, und sein Adamas war mitten unter ihnen.
    Wo ich
