 wars, wie wenn das Abendlicht im Dunkel der
majestätischen Eiche spielt und ihre Blätter träufeln vom Gewitter des Tags.
                             Hyperion an Bellarmin
Es war in den schönen Tagen des Herbsts, da ich von meiner Wunde halbgenesen zum
ersten Male wieder ans Fenster trat. Ich kam mit stilleren Sinnen wieder ins
Leben und meine Seele war aufmerksamer geworden. Mit seinem leisesten Zauber
wehte der Himmel mich an, und mild, wie ein Blütenregen, flossen die heitern
Sonnenstrahlen herab. Es war ein großer, stiller, zärtlicher Geist in dieser
Jahreszeit, und die Vollendungsruhe, die Wonne der Zeitigung in den säuselnden
Zweigen umfing mich, wie die erneuerte Jugend, so die Alten in ihrem Elysium
hofften.
    Ich hatt es lange nicht mit reiner Seele genossen, das kindliche Leben der
Welt, nun tat mein Auge sich auf mit aller Freude des Wiedersehens und die
selige Natur war wandellos in ihrer Schöne geblieben. Meine Tränen flossen, wie
ein Sühnopfer, vor ihr, und schaudernd stieg ein frisches Herz mir aus dem alten
Unmut auf. O heilige Pflanzenwelt! rief ich, wir streben und sinnen und haben
doch dich! wir ringen mit sterblichen Kräften Schönes zu baun, und es wächst
doch sorglos neben uns auf! nicht wahr, Alabanda? für die Not zu sorgen, sind
die Menschen gemacht, das übrige gibt sich selber. Und doch - ich kann es nicht
vergessen, wie viel mehr ich gewollt.
    Lass dir genug sein, Lieber! dass du bist, rief Alabanda, und störe dein
stilles Wirken durch die Trauer nicht mehr.
    Ich will auch ruhen, sagt ich. O ich will die Entwürfe, die Fodrungen alle,
wie Schuldbriefe, zerreißen. Ich will mich rein erhalten, wie ein Künstler sich
hält, dich will ich lieben, harmlos Leben, Leben des Hains und des Quells! dich
will ich ehren, o Sonnenlicht! an dir mich stillen, schöner Äther, der die
Sterne beseelt, und hier auch diese Bäume umatmet und hier im Innern der Brust
uns berührt! o Eigensinn der Menschen! wie ein Bettler, hab ich den Nacken
gesenkt und es sahen die schweigenden Götter der Natur mit allen ihren Gaben
mich an! - Du lächelst, Alabanda? o wie oft, in unsern ersten Zeiten, hast du so
gelächelt, wann dein Knabe vor dir plauderte, im trunknen Jugendmut, indes du
da, wie eine stille Tempelsäule, standst, im Schutt der Welt, und leiden
musstest, dass die wilden Ranken meiner Liebe dich umwuchsen - sieh! wie eine
Binde fällts von meinen Augen und die alten goldenen Tage sind lebendig wieder
da.
    Ach! rief er, dieser Ernst, in dem wir lebten und diese Lebenslust!
    Wenn wir jagten im Forst,
