 Frieden bei Hyperion, du müsstest untreu werden und das will
ich dir ersparen.
    Und so lebe denn wohl, du süßes Mädchen! lebe wohl! Ich möchte dir sagen,
gehe dahin, gehe dorthin; da rauschen die Quellen des Lebens. Ich möcht ein
freier Land, ein Land voll Schönheit und voll Seele dir zeigen und sagen: dahin
rette dich! Aber o Himmel! könnt ich dies, so wär ich auch ein andrer und so
müsst ich auch nicht Abschied nehmen - Abschied nehmen? Ach! ich weiß nicht, was
ich tue. Ich wähnte mich so gefasst, so besonnen. Jetzt schwindelt mir und mein
Herz wirft sich umher, wie ein ungeduldiger Kranker. Weh über mich! ich richte
meine letzte Freude zu Grunde. Aber es muss sein und das Ach! der Natur ist hier
umsonst. Ich bins dir schuldig, und ich bin ja ohnedies dazu geboren, heimatlos
und ohne Ruhestätte zu sein. O Erde! o ihr Sterne! werde ich nirgends wohnen am
Ende?
    Noch Einmal möcht ich wiederkehren an deinen Busen, wo es auch wäre!
Aeteraugen! Einmal noch mir wieder begegnen in euch! an deinen Lippen hängen,
du Liebliche! du Unaussprechliche! und in mich trinken dein entzückend
heiligsüsses Leben - aber höre das nicht! ich bitte dich, achte das nicht! Ich
würde sagen, ich sei ein Verführer, wenn du es hörtest. Du kennst mich, du
verstehst mich. Du weißt, wie tief du mich achtest, wenn du mich nicht
bedauerst, mich nicht hörst.
    Ich kann, ich darf nicht mehr - wie mag der Priester leben, wo sein Gott
nicht mehr ist? O Genius meines Volks! o Seele Griechenlands! ich muss hinab, ich
muss im Totenreiche dich suchen.
                              Hyperion an Diotima
Ich habe lange gewartet, ich will es dir gestehen, ich habe sehnlich auf ein
Abschiedswort aus deinem Herzen gehofft, aber du schweigst. Auch das ist eine
Sprache deiner schönen Seele, Diotima.
    Nicht wahr, die heiligern Akkorde hören darum denn doch nicht auf? nicht
wahr, Diotima, wenn auch der Liebe sanftes Mondlicht untergeht, die höheren
Sterne ihres Himmels leuchten noch immer? O das ist ja meine letzte Freude, dass
wir unzertrennlich sind, wenn auch kein Laut von dir zu mir, kein Schatte unsrer
holden Jugendtage mehr zurückkehrt!
    Ich schaue hinaus in die abendrötliche See, ich strecke meine Arme aus nach
der Gegend, wo du ferne lebst und meine Seele erwarmt noch einmal an allen
Freuden der Liebe und Jugend.
    O Erde! meine Wiege! alle Wonne und aller Schmerz ist in dem Abschied, den
wir von dir nehmen.
    Ihr lieben Jonischen Inseln! und du, mein Kalaurea,
