! ehe der Lärm
beginnt. Es war ein himmlischer Tag. Das holde Frühjahr weht' und glänzte vom
Orient her, entlockt' uns deinen Namen, wie es den Bäumen die Blüten entlockt,
und alle seligen Geheimnisse der Liebe entatmeten mir. Eine Liebe, wie die
unsre, war dem Freunde nie erschienen, und es war entzückend, wie der stolze
Mensch aufmerkte und Auge und Geist ihm glühte, dein Bild, dein Wesen zu fassen.
    O, rief er endlich, da ists wohl der Mühe wert, für unser Griechenland zu
streiten, wenn es solche Gewächse noch trägt!
    Ja wohl, mein Alabanda, sagt ich; da gehen wir heiter in den Kampf, da treibt
uns himmlisch Feuer zu Taten, wenn unser Geist vom Bilde solcher Naturen
verjüngt ist, und da läuft man auch nach einem kleinen Ziele nicht, da sorgt man
nicht für dies und das und künstelt, den Geist nicht achtend, von außen und
trinkt um des Kelchs willen den Wein; da ruhen wir dann erst, Alabanda, wenn des
Genius Wonne kein Geheimnis mehr ist, dann erst, wenn die Augen all in
Triumphbogen sich wandeln, wo der Menschengeist, der langabwesende, hervorglänzt
aus den Irren und Leiden und siegesfroh den väterlichen Äther grüßt. - Ha! an
der Fahne allein soll niemand unser künftig Volk erkennen; es muss sich alles
verjüngen, es muss von Grund aus anders sein; voll Ernsts die Lust und heiter
alle Arbeit! nichts, auch das kleinste, das alltäglichste nicht ohne den Geist
und die Götter! Lieb und Hass und jeder Laut von uns muss die gemeinere Welt
befremden und auch kein Augenblick darf Einmal noch uns mahnen an die platte
Vergangenheit!
                              Hyperion an Diotima
Der Vulkan bricht los. In Koron und Modon werden die Türken belagert und wir
rücken mit unserem Bergvolk gegen den Peloponnes hinauf.
    Nun hat die Schwermut all ein Ende, Diotima, und mein Geist ist fester und
schneller, seit ich in lebendiger Arbeit bin und sieh! ich habe nun auch eine
Tagesordnung.
    Mit der Sonne beginn ich. Da geh ich hinaus, wo im Schatten des Walds mein
Kriegsvolk liegt und grüße die tausend hellen Augen, die jetzt vor mir mit
wilder Freundlichkeit sich auftun. Ein erwachendes Heer! ich kenne nichts
gleiches und alles Leben in Städten und Dörfern ist, wie ein Bienenschwarm,
dagegen.
    Der Mensch kanns nicht verleugnen, dass er einst glücklich war, wie die
Hirsche des Forsts und nach unzähligen Jahren klimmt noch in uns ein Sehnen nach
den Tagen der Urwelt, wo jeder die Erde durchstreifte, wie ein Gott, eh, ich
weiß nicht was? den Menschen zahm gemacht, und noch, statt Mauern und totem
Holz, die Seele der Welt
