 ich welken, wenn du glänzest? sollte mir das Herz
ermatten, wenn die Siegslust dir in allen Sehnen erwacht? Hätt ich ehmals
gehört, ein griechischer Jüngling mache sich auf, das gute Volk aus seiner
Schmach zu ziehen, es der mütterlichen Schönheit, der es entstammte, wieder zu
bringen, wie hätt ich aufgestaunt aus dem Traume der Kindheit und gedürstet nach
dem Bilde des Teuren? und nun er da ist, nun er mein ist, kann ich noch weinen?
o des albernen Mädchens! ist es denn nicht wirklich? ist er der Herrliche nicht,
und ist er nicht mein! o ihr Schatten seliger Zeit! ihr meine trauten
Erinnerungen!
    Ist mir doch, als wär er kaum von gestern, jener Zauberabend, da der heilge
Fremdling mir zum ersten Male begegnete, da er, wie ein trauernder Genius,
hereinglänzt' in die Schatten des Walds, wo im Jugendtraume das unbekümmerte
Mädchen saß - in der Mailuft kam er, in Joniens zaubrischer Mailuft und sie
macht' ihn blühender mir, sie lockt' ihm das Haar, entfaltet' ihm, wie Blumen,
die Lippen, löst' in Lächeln die Wehmut auf und o ihr Strahlen des Himmels! wie
leuchtetet ihr aus diesen Augen mich an, aus diesen berauschenden Quellen, wo im
Schatten umschirmender Bogen ewig Leben schimmert und wallt! -
    Gute Götter! wie er schön ward mit dem Blick auf mich! wie der ganze
Jüngling, eine Spanne größer geworden, in leichter Nerve dastand, nur dass ihm
die lieben Arme, die bescheidenen, niedersanken, als wären sie nichts! und wie er
drauf emporsah im Entzücken, als wär ich gen Himmel entflogen und nicht mehr da,
ach! wie er nun in aller Herzensanmut lächelt' und errötete, da er wieder mich
gewahr ward und unter den dämmernden Tränen sein Phöbusauge durchstrahlt', um zu
fragen, bist dus? bist du es wirklich?
    Und warum begegnet' er so frommen Sinnes, so voll lieben Aberglaubens mir?
warum hatt er erst sein Haupt gesenkt, warum war der Götterjüngling so voll
Sehnens und Trauerns? Sein Genius war zu selig, um allein zu bleiben, und zu arm
die Welt, um ihn zu fassen. O es war ein liebes Bild, gewebt von Größe und
Leiden! Aber nun ists anders! mit dem Leiden ists aus! Er hat zu tun bekommen,
er ist der Kranke nicht mehr! -
    Ich war voll Seufzens, da ich anfing, dir zu schreiben, mein Geliebter!
Jetzt bin ich lauter Freude. So spricht man über dir sich glücklich. Und siehe!
so solls auch bleiben. Lebe wohl!
                              Hyperion an Diotima
Wir haben noch zu gutem Ende dein Fest gefeiert, schönes Leben
